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100 Jahre Internationaler Frauentag
Pressegespräch am 25.3. 03

Droht dem Münchner Osten die Asphaltierung?


Am 26.3. 2003 wird im Planungsausschuss das von Professor Kurzak im Auftrag der Stadt erstellte Gutachten „Verkehrskonzept für den Münchner Osten“ behandelt, das zahlreiche Straßenbaumaßnahmen im Gebiet zwischen Föhringer Ring, A8 München-Salzburg und dem Autobahnring A99 empfiehlt - so z.B. die Verlängerung der Ständlerstraße durch den Truderinger Wald.
Aus Sicht der Stadtratsfraktion Die Grünen – rosa liste und der Vertreter der Grünen in den Bezirksausschüssen vor Ort enthält das Gutachten zahlreiche Defizite und eignet sich nur in engen Grenzen als Grundlage für verkehrspolitische Entscheidungen. Es untersucht ausschließlich verkehrliche Effekte und vernachlässigt völlig das Kriterium der Nachhaltigkeit, die vom Stadtrat zu Leitmotiv der Stadtentwicklung Münchens erklärt worden ist.

Auswirkungen der empfohlenen Straßenbauten wie

· Lärmemissionen

· Beeinträchtigungen der städtebaulichen Entwicklung und

· des Erholungswertes von Grünflächen sowie

· zu befürchtende Verlagerungseffekte vom Öffentlichen Verkehr auf den motorisierten Individualverkehr

sowie

· Entlastungseffekte durch Verkehrssteuerung und Mobilitätsmanagement und

· ökologische Belange

werden ausgeklammert.

Die Grün-rosa Stadtratsfraktion wird daher beantragen, die Öffentlichkeitsphase des Gutachtens jetzt nicht einzuleiten, sondern sie zu verschieben, bis die städtischen Referate diese Aspekte in gebotener Ausführlichkeit in einer begleitenden Stellungnahme aufgegriffen und dem Stadtrat berichtet haben.

Einige Anmerkungen zu einzelnen Straßenprojekten:
Bei der Untersuchung der Südanbindung Perlach gehen die Gutachter immer noch von einer Brauereiverlagerung an die Unterhachinger Straße aus – dies ist mittlerweile sehr unwahrscheinlich geworden. Außer Acht gelassen wurde auch der Bau der Westumgehung Ottobrunn, der in unmittelbarer Nähe bereits einen Anschluss an die Autobahn Salzburg bietet.
Es ist außerdem zu befürchten, dass sich nach Bau der Südanbindung Perlach immer mehr überregionaler Verkehr seinen Weg durch Neuperlach in Richtung Messe suchen und dort für zusätzliche Lärm- und Abgasbelastung sorgen wird.
Modernes Mobilitätsmanagement umfasst längst auch sozioökonomische Maßnahmen, wie z.B. die Reduktion des Anteils der Pkw-Berufspendler durch betriebliches Mobilitätsmanagement in den großen Unternehmen der Zielgebiete des Münchner Ostens, wie Siemens Neuperlach oder die Niederlassungen der Versicherungen sowie dem PEP. Dies und zahlreiche Alternativen, wie z.B. die Möglichkeiten einer gut durchdachten Verkehrssteuerung, wurden nicht untersucht.
Während im Verkehrsentwicklungsplan und Renommierprojekten wie MOBINET permanent von kooperativen und integrierten Ansätzen zur Lösung der Verkehrsprobleme die Rede ist, wischt dieses Gutachten alles außer Straßenbau beiseite.
Sehr anschaulich werden die Defizite des Gutachtens auch bei der Untersuchung der Verlängerung der Ständlerstraße. Der Erholungswert des Truderinger Waldes für 80.000 Hochhausbewohner in Perlach, sowie den gesamten Münchner Osten und seine ökologische Bedeutung werden sträflich vernachlässigt. Flächenversiegelung, Lärm- und Abgasbelastung, die Fällung zahlreicher Bäume, die Zerschneidung eines natürlichen Lebensraumes für zahlreiche Tiere und Pflanzen – all das würde den Truderinger Wald in seiner Funktion als Naherholungsgebiet schwer beeinträchtigen.
Der angekündigte Nutzen der Verlängerung ist zudem sehr zweifelhaft. Das Planungsreferat demonstriert eine anachronistische Methodik, wenn es unterstellt, dass die Entlastungseffekte von 5.000 KFZ auf der Wasserburger Landstraße (Wabula) nach Durchbau der Ständlerstraße durch den Truderinger Wald von Dauer sein könnten. Jeder Verkehrsplaner weiß seit der Universität: wer Straßen sät, wird Verkehr ernten. Sobald die Autofahrer merken, dass es hier etwas leichter geht, werden viele, die jetzt mit der S5 oder auf der A94 unterwegs sind, wieder mit dem Auto über die Wabula fahren.
Außerdem: beim größten Verkehrsproblem, dem Lärm, sind die versprochenen Entlastungen so gering (unter 1 dBA), dass sie für die betroffenen Menschen keine wahrnehmbare Entlastung bringen würden – die ergäbe sich erst bei einer Reduktion von 12.000 Fahrzeugen pro Tag.
Sehr fragwürdig ist auch der Nutzen der Süd/-Westanbindung der Messestadt Riem. Diese Straße würde den Landschaftspark Riem durchschneiden und dessen Wert als Naherholungsgebiet spürbar vermindern.
Die empfohlenen Maßnahmen bereiten in Verbindung mit der unheilvollen Straßenbaumaßnahme „Nordostverbindung“ den Boden für den sogenannten 3. Ring von der BAB 9 im Münchner Norden bis zur BAB 8 bei Neuperlach Süd. Damit ist eine deutliche Steigerung des motorisierten Individualverkehrs und eine weitere Belastung der Bevölkerung im Münchner Osten vorprogrammiert. Die Empfehlungen der Gutachter induzieren neuen Verkehr und zerstören wichtige Natur- und Erholungsräume. Eine Entlastung der Wohngebiete, wie sie im Konzept versprochen wird, ist völlig abwegig.
Die Gutachterempfehlungen sind Auswüchse einer verfehlten Stadt- und Regionalplanung im Münchner Osten mit der Konsequenz einer anachronistischen Verkehrsplanung im Sinne der autogerechten Stadt. Sie bedürfen dringend der Korrektur durch Kriterien der Nachhaltigkeit.

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