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ddd

An den
Vorsitzenden des BA 19
Herrn
Hans Bauer
Implerstr. 9
81371 München


25. Mai 2007



Sehr geehrter Herr Bauer,

vielen Dank für Ihren Offenen Brief vom 8.5. d.J., in dem Sie die Mitglieder des Münchner Stadtrats um eine rasche Entscheidung für den Bau eines Einkaufszentrums an der Ecke Drygalskiallee/Boschetsriederstraße bitten.

Im Namen der Stadtratsfraktion Die Grünen – rosa liste muss ich Ihnen allerdings mitteilen, dass wir diesen Standort für ungeeignet halten. Die Grünen – rosa liste bevorzugen - wenn ein solches Einkaufszentrum im Münchner Süden überhaupt gebaut werden soll - den Standort Ratzingerplatz, denn:

  • eine vorausschauende städtische Planungspolitik muss den durch ein großes Einkaufszentrum fraglos hervorgerufenen zusätzlichen Autoverkehr so weit wie eben möglich eindämmen – aus Verantwortung für die Anlieger der Zufahrtsstraßen und für den Schutz der Erdatmosphäre. Sicher werden Sie verstehen, dass wir als besonders dem Klimaschutz verpflichtete Fraktion diesem Aspekt erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Deshalb können wir uns nicht einfach mit der von Ihnen offenbar als unumstößlich akzeptierten Prognose zufrieden geben, dass ohnehin nur 25-30% der Nutzer nicht mit dem PKW kommen. Es kommt eben darauf an, den Nutzern attraktive Alternativen zum Auto anzubieten – und dies ist am Ratzingerplatz mit seinem direkten U-Bahnanschluss besser möglich;
  • die Errichtung des Einkaufszentrums am Ratzingerplatz bietet die Gelegenheit, den Ratzingerplatz, der in seinem gegenwärtigen Zustand eine städtebauliche Wüste darstellt, endlich attraktiver zu gestalten. Wenn wir diese Chance verstreichen lassen, bleibt eine Aufwertung des Ratzingerplatzes in weiter Ferne;
  • die dort zu realisierende Verkaufsfläche wird geringer ausfallen als an der Drygalskiallee/Boschetsriederstraße. Entsprechend wird, auch wegen des größeren Abstandes, der Konkurrenzdruck auf die bestehenden Einzelhandelsgeschäfte in Fürstenried Ost geringer ausfallen.

Ich will Ihnen nicht vorenthalten, dass wir Teile Ihrer Argumentation für befremdlich halten – gelinde gesagt. Anders als Sie beurteilen wir die Arbeit des Planungsreferates an diesem Projekt positiv, denn wir halten es für richtig, alle Fragen und Probleme bezüglich eines so großen Projekts gründlich und gewissenhaft zu untersuchen. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, wieso Sie diese Entscheidung mit dem Termin der nächsten Kommunalwahlen verknüpfen wollen.

Absolut unseriös, leider muss ich es so offen sagen, ist Ihre Behauptung, 60 % der Bevölkerung hielten ein großes Einkaufszentrum an der Drygalskiallee/Boschetsriederstraße für die bessere Lösung. Diese These stützt sich auf zwar beachtenswerte, aber, wie Sie ja selbst sehr genau wissen, keineswegs repräsentative Abstimmungen auf Bürgerversammlungen und auf von privat organisierten Bürgerbefragungen. Leider vergaßen Sie auch zu erwähnen, dass auf einer der Bürgerversammlungen keiner der Standorte überhaupt eine Mehrheit erzielen konnte. Wer auf dieser schwachen Datenbasis mit dem Argument der Politikverdrossenheit operiert, läuft Gefahr, genau das produzieren, wovor er warnen will.

Mein Vorschlag wäre daher, die Debatte um den richtigen Standort mit weniger Verbissenheit und mehr Sachlichkeit zu führen. Dies wäre gewiss eher ein Beitrag zum Abbau von Politikverdrossenheit.

Mit freundlichen Grüßen

Boris Schwartz
Stadtrat

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