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Umweltreferent Joachim Lorenz beantwortete die Frage am 26.10.
Frage 1:
Was ist mit den in der Allianz-Arena verwendeten Belland-Bechern geschehen? Ist damit zu rechnen, dass sie noch recycelt werden oder sind sie bereits anderweitig entsorgt worden?
Antwort:
Die in der Allianz-Arena verwendeten Belland-Becher wurden bzw. werden von einer Transportfirma abgeholt, zu Ballen verpresst, zerkleinert, gewaschen und in Ahaus bis zum Recycling in Big Bags aufbewahrt.
Bislang war hier der Materialkreislauf unterbrochen, da noch keine großtechnische Recyclinganlage zur Verfügung stand. Ab Herbst 2006 soll der Recyclingprozess in der Anlage in Rudolstadt (Thüringen) fortgesetzt werden. Hier wird aus den gesammelten Bechern einsatzfähiges Granulat hergestellt, welches anschließend zusammen mit ca. 1015 % Neuware wiederum zu Bechern verarbeitet wird.
Frage 2:
Kann die Stadtverwaltung bestätigen, dass in der Allianz-Arena Trinkbecher aus billigem Polystyrol verwendet wurden statt aus dem angeblich hochwertigen Belland-Material? Wenn ja, was ist bzw. soll mit diesen Bechern geschehen?
Antwort:
Die Fa. BellandVision GmbH hat nach eigenen Angaben Belland-Material mit Blindproben hinsichtlich der Verbraucherakzeptanz getestet. In der Allianz-Arena sind ca. 4 % an Blindproben eingebracht worden. Die gezielten Tests mit Referenzbechern aus herkömmlichem Polystyrol haben über die gesamte Logistikkette im Ergebnis keine Unterschiede bei der Akzeptanz von Cateringgeschirr aus Belland-Material gegenüber Cateringgeschirr aus herkömmlichem Polystyrol ergeben. Die Tests mit Referenzbechern hat die Fa. BellandVision GmbH offen, z. B. mit Pressemitteilung vom 16. Dezember 2005, kommuniziert.
Die Becher aus Polystyrol wurden zusammen mit den Bechern aus Belland-Material eingesammelt und befinden sich derzeit in den verpressten Ballen in Ahaus. Beim Recyclingprozess lösen sich ausschließlich die Polymere aus Belland-Material, die Becher aus Polystyrol verbleiben im Lösekessel und können anschließend einer separaten stofflichen Verwertung zugeführt werden.
Mittlerweile ist die Phase der Blindproben beendet und es werden ausschließlich Becher aus Belland-Material eingesetzt.
Frage 3:
Verfügt die Stadtverwaltung über neue Erkenntnisse hinsichtlich der Ökobilanz der Belland-Becher z.B. aus dem Öko-Gutachten der Firma Carbotech? Wie sind insbesondere die langen Transportwege zu bewerten? War im ursprünglichen Konzept nicht auch ein Recycling vor Ort vorgesehen?
Antwort:
Das Referat für Gesundheit und Umwelt verfügt über keine wesentlichen, neuen Erkenntnisse hinsichtlich der Ökobilanz der Belland-Becher. In der Ökobilanz der Fa. Carbotech wurden verschiedene, auf dem Markt erhältliche Einweg- und Mehrwegbecher beim Einsatz in großen, geschlossenen Veranstaltungen bezüglich ihrer Umweltauswirkungen über den gesamten Lebensweg analysiert. Einen entscheidenden Einfluss auf die Ergebnisse der Ökobilanz haben hierbei die jeweiligen Gebrauchszyklen der verwendeten Mehrwegbecher.
Mehrwegbecher verursachen in den meisten Fällen eine signifikant geringere Umweltbelastung als die Einwegbecher im allgemeinen, wobei die Umweltauswirkungen der Becher aus kreislauffähigem Belland-Material geringer sind, als diejenigen der klassischen Einwegbecher, jedoch in den untersuchten Szenarien höher als diejenigen der Mehrwegbecher.
Die Ökobilanz kommt zu der Empfehlung, dass der Einsatz von Mehrwegbechern bei Großveranstaltungen aus ökologischer Sicht in den meisten Fällen zu empfehlen ist, sofern hohe Rücklaufquoten der Mehrwegbecher erzielt werden können.
Falls der Einsatz von Mehrwegbechern nicht möglich oder nicht sinnvoll ist, sind Becher aus dem kreislauffähigen Belland-Material oder auch Einwegbecher mit einem geringen Gewicht zu empfehlen.
Dieses Ergebnis deckt sich im Wesentlichen mit den Aussagen der bereits früher vorgelegten Ökobilanz des Fraunhofer-Instituts für Lebensmitteltechnologie und Verpackungen (FhILV), derzufolge im Vergleich zwischen herkömmlichen Polystyrol-Einwegbechern und dem Belland-Material die Ökobilanz zugunsten des Belland-Geschirrs ausfällt. Jedoch wurde auch damals schon betont, dass beim Vergleich zwischen Mehrweg und Einweg die Umlaufzahlen entscheidend sind. Dem Mehrwegsystem wurde gegenüber dem Belland-Material nur dann eindeutig der Vorzug gegeben, wenn mehr als 50 Umläufe erreicht werden. Werden weniger als 20 Umläufe erreicht, weist das Belland-System die geringeren Umweltbelastungen auf.
Die Ökobilanz der Fa. Carbotech zeigt im Rahmen des Gesamtvergleichs der relativen Umweltauswirkungen weiter, dass der durch Transporte der Einwegbecher entstehende Anteil der Auswirkungen im Vergleich zum Anteil aufgrund von Herstellung oder Wiederaufbereitung der Becher prozentual eher gering ist.
Im Hinblick auf die langen Transportwege (insgesamt rund 1.500 km einfache Transportstrecke) für das Belland-Material ist es nach Einschätzung des Referates für Gesundheit und Umwelt durchaus möglich, dass sich die relativen Auswirkungen auf die Umwelt erhöhen.
Ausschlaggebend für die Umweltauswirkungen sind jedoch nicht nur die Transportstrecken alleine, sondern auch die Anzahl der für die erforderlichen Transporte benötigten Lkws. Aufgrund des geringen Gewichtes bzw. Volumens der verpressten Belland-Becher können mit demselben Transportvolumen wesentlich mehr Becher transportiert werden, als dies beim Einsatz von Mehrwegbechern der Fall wäre.
Um diesbezüglich genaue Aussagen treffen zu können, wäre eine Anpassung bzw. erneute Sensitivitätsanalyse bezüglich der kreislauffähigen Belland-Becher vorzunehmen, die jedoch vom Referat für Gesundheit und Umwelt mit Rücksicht auf die aktuelle Personal- und Finanzausstattung weder selbst geleistet noch finanziert werden kann.
Ob im ursprünglichen Konzept der Fa. BellandVision GmbH ein ortsnahes Recycling vorgesehen war, kann seitens des Referates für Gesundheit und Umwelt leider nicht beantwortet werden, da hierüber keine Informationen vorliegen.
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