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Kulturreferentin Dr. Hartl beantwortete die Frage am 19.4.05:


Die Künstlerförderung des Kulturreferats zeichnet sich durch ein System von aufeinander abgestimmten Maßnahmen aus, die sich bewährt haben und auf diese Weise Münchner KünstlerInnen am besten gerecht werden. Der Schwerpunkt der Fördermaßnahmen des Kulturreferats liegt in der Vernetzung der regionalen Münchner- mit der überregionalen und internationalen Kunstszene. Nur im Austausch, im Dialog und in der produktiven Auseinandersetzung entstehen gute Kunstprojekte, seien es Münchner oder für München produzierte. Dies gilt sowohl für die traditionellen Kunstrichtungen als auch für den gesamten Bereich der diskursiven Kunst, die sich an gesellschaftlichen Veränderungen und wissenschaftlichen bzw. technischen Umbrüchen orientiert, wie es für die digitale Moderne insgesamt gilt.
Für die Arbeit des Kulturreferats gilt der Gegensatz von „lokaler“ versus „internationaler“ Szene nicht als Kriterium der Künstlerförderung, weil der Gegensatz so nicht existiert. Schließlich ist die Förderung internationaler Aktivitäten immer auch ein Beitrag zur Förderung der lokalen Szene. Wenn wir international agieren, dann nicht im Sinne der Förderung internationaler Künstler, sondern um „die Welt“ in die Stadt zu holen oder München in der Welt zu präsentieren.


Frage 1:
Kann das Kulturreferat darlegen, welcher Anteil der Künstlerförderung im weitesten Sinne (direkte Förderung; Ankäufe; im Rahmen von Quivid, Ortstermine, Dance, Biennale etc.) in den einzelnen Bereichen an Münchner KünstlerInnen und welcher an überregionale bzw. internationale vergeben wird?

Antwort:
Alle Preise und Stipendien, die von der Stadt oder durch die Stadt vergeben werden, sind Münchner Künstlerinnen und Künstlern vorbehalten (mit einer Ausnahme: Geschwister-Scholl-Preis). Insgesamt werden in allen Kunst-Bereichen zusammen pro Jahr durchschnittlich 38 Preise und Stipendien vergeben. Der jährliche Gesamtetat (Dotierungen und Nebenkosten) beträgt rund € 310.000.
Die direkte Förderung der regionalen Szene stellt sich zum Beispiel im Bereich Bildende Kunst/ Medienkunst wie folgt dar: Einzelzuschüsse € 343.000, vier Projektstipendien insbesondere für junge Münchner KünstlerInnen (à € 6.000 jährlich), Atelierförderung (€ 120.000), sechs Förderpreise (zwei für Bildende Kunst, ein Preis für Architektur, ein Preis für Fotografie und zwei Preise im Bereich angewandte Kunst (à € 6.000 biennal), Architektur-, Design- und Kunstpreis (€ 10.000 triennal).
Als Orte der Verbindung internationaler und regionaler Kunstprojekte verfügen das ZKMax (vormals Maximiliansforum) über €35.900, die Lothringer dreizehn über € 149.900. Durch Themenausstellungen (wie z.B. „Urban Spaces“ oder „Vom innen und aussen“) werden Trends in diesem Bereich gesetzt.
Das Lenbachhaus und die Villa Stuck fördern neben ihrem Auftrag der Bewahrung des Münchner Erbes junge und etablierte Münchner KünstlerInnen durch Ankäufe und Ausstellungen (z.B. durch die aktuellen Ausstellungen „Favoriten junge Kunst in München“, „Andreas Hofer“ oder durch die ständige Sammlung) und verbinden sie mit der internationalen Kunstszene (z.B. „Shanghai Modern“).
Mit der Rathausgalerie, der Artothek und der Goethe 53 hat das Kulturreferat neben den bereits genannten Ausstellungsräumen genuine Orte für Münchner KünstlerInnen bzw. regionale Kunst vorzuweisen. Wurden in der Rathausgalerie 2003 vor allem Münchner KünstlerInnen gefördert, so standen 2004 in geglückter Weise bei den beiden Ausstellungen „Yalan Dünya“ und „Salon international“ sowie zur „Open Art“ Austausch und Vernetzung im Vordergrund. 2005 wird die spezifisch Münchnerische Ausstellung "Xenopolis. Von der Faszination und Ausgrenzung des Fremden" einen angemessenen Akzent der Vernetzung und internationaler Kooperation setzen. Unter Beteiligung von Münchner und internationalen KünstlerInnen wird das Thema Fremdheit und Minderheiten in München aus historischer und künstlerischer Sicht präsentiert werden. Für die Bespielung der Rathausgalerie kann das Kulturreferat über einen Etat von € 61.000 verfügen, für Ausstellungen Münchner KünstlerInnen in der Artothek über einen Etat von € 10.200 und für den Bilderankauf der Artothek über Mittel in einer Höhe von € 25.000, für die Galerie Goethe 53 € 23.200.
Im Bereich Theater und Tanz erreicht gemäß dem vom Stadtrat beschlossenen Förderungsmodell für aktuelle darstellende Kunst die Fördermaßnahme „Individualförderung“ fast ausschließlich Münchner KünstlerInnen (Kriterium: Wohn- und Arbeitsmittelpunkt S-Bahn-Bereich). In Einzelfällen erfolgt eine Förderung Münchner KünstlerInnen, die zusammen mit Künstlern aus anderen Städten, Regionen, Nationen ein Projekt zu realisieren beabsichtigen. Das Förderungsvolumen der Individualförderung beträgt 2005 € 1.424.830.
Gemäß dem vom Stadtrat beschlossenen Förderungsmodell für aktuelle darstellende Kunst kommt die Infrastrukturförderung an die Vereine Theaterverein München e.V. und Tanztendenz München e.V. vorrangig Münchner KünstlerInnen zugute. Beim Theaterverein München e.V. (i-camp) beträgt die Quote rund 80%, bei der Tanztendenz München e.V. liegt sie bei über 90%. Das Gesamtförderungsvolumen für 2005 ist € 396.200.
Gemäß den Zielsetzungen des Choreographer- in-Residence-Konzepts geht die in diesem Zusammenhang ausgereichte Förderung indirekt an in München wohnhafte KünstlerInnen. Der auf Zeit nach München gebetene Choreograph erarbeitet mit ihnen eine Produktion und bietet vor Ort in der vorhandenen Infrastruktur (siehe oben) Workshops und Trainings an. Volumen 2004 € 69.100.

Im Bereich Literatur kommt die Förderung der großen Institutionen Literaturhaus (insg. € 430.000) und Internationale Jugendbibliothek (€ 370.000) gleichermaßen internationalen, deutschsprachigen und Münchner Autorinnen und Autoren zugute und unterstützt deren Begegnung und die Vernetzung untereinander. Besondere Berücksichtigung finden AutorInnen aus München im Literaturhaus u.a. in Festveranstaltungen zu Jubiläen und bei der Nachwuchsförderung (Kurse Manuskriptum, Textwerk) und in der Internationalen Jugendbibliothek u.a. bei den Lesemuseen mit Schulklassenprogramm.
Fast ausschließlich Münchner Autorinnen und Autoren werden von der Monacensia gefördert (Sammlungsauftrag Nachlässe im Literaturarchiv, Sammlungsauftrag Bibliothek, Ausstellungen und Veranstaltungen).
Von den Etats für die Förderung von Vereinen/Initiativen wie Lyrik Kabinett, Tukan-Kreis, Münchner Literaturbüro, AutorenGalerie, Seerose u.a., für die Projektförderung und das „Literaturblatt München“ (insg. € 118.000) profitieren weit vorwiegend bis ausschließlich Münchner AutorInnen.
Bei der Internationalen Frühjahrsbuchwoche "Literatur & Musik" im Jahr 2004 traten rund 60 Künstlerinnen und Künstler bzw. Ensembles auf, davon fast die Hälfte aus München. Zusätzlich waren noch etliche Journalisten und Wissenschaftler aus München eingebunden.

Nach Aussage des Baureferats wird im Rahmen von QUIVID, dem Kunst-am- Bau-Programm der Stadt München, auf eine gewisse Ausgewogenheit bei den Beauftragungen geachtet. Dies betrifft sowohl die paritätische Einladung von Künstlerinnen und Künstlern als auch von Münchner und überregionalen Künstlerpersönlichkeiten zu Wettbewerben. Schwerpunkte ergeben sich auf Grund der Besonderheit der Aufgaben und der Finanzausstattung: Während bei bedeutenden Aufgaben mit großem Budget auf die Einladung auch überregionaler und internationaler Künstlerpersönlichkeiten Wert gelegt wird, beschränkt man sich bei kleineren Aufgaben mit geringem Etat in der Regel auf den Münchner Raum. Auf die Wettbewerbsergebnisse kann natürlich in keinem Falle Einfluss genommen werden. Im Jahre 2004 kam es bei QUIVID zu 10 Wettbewerbsentscheidungen in der Kommission für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum. Dabei kamen vier Münchner Künstlerinnen und Künstler und sechs auswärtige Künstlerpersönlichkeiten zum Zuge. Allerdings ist dazu zu sagen, dass unter diesen 10 Wettbewerben immerhin drei bedeutende internationale Wettbewerbe (Effnerplatz-Jüdisches Museum - Fröttmaning) waren, die alle von auswärtigen Künstlerpersönlichkeiten gewonnen wurden. Dies mag sicherlich den Eindruck etwas zu Ungunsten der regionalen Szene verschieben. Im Durchschnitt mehrerer Jahre gestaltet sich das Verhältnis nach Erfahrung des Baureferats dennoch paritätisch.
Im Bereich Ortstermine - Kunst im öffentlichen Raum bewilligte der Stadtrat am 15.07.2003 für sieben Projekte € 915.156. Die Kommission war bei der Auswahl der Projekte bemüht, Positionen von Münchner KünstlerInnen denen von nationalen und internationalen gegenüberzustellen. In der Folge bewilligte der Stadtrat in seiner Sitzung vom 22.10.2003 (VV) über die o.g. Summe hinaus – gleichfalls für den Realisationszeitraum 2004 – zwei internationale Kunstprojekte für den Museumsvorplatz der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in Höhe von € 150.000. Somit beläuft sich der Gesamtbetrag, der für Künstlerförderung 2004 im Rahmen von Ortstermine aufgebracht wurde, auf € 1.065.156. Bis auf ein Kunstprojekt des Lenbachhauses konnten 2004 alle Projekte realisiert werden. Von den insgesamt neun Projekten der „Ortstermine 2004“ wurden folgende fünf Projektvorschläge von Münchner Künstler/Innen bzw. Kuratoren ausgewählt und verwirklicht:

• „Dance with me, Germany“ des Künstlerduos M+M

• „transitwellen“ der Künstlergruppe schleuser_net

• „Der da bleibt und der der fährt“ der Bairishen Geisha

• „Lenin on Tour“ des Künstlers Rudolf Herz.

• „Urban Scans“ einer Münchner Kuratorengruppe

Für die fünf Münchner Kunstprojekte wurden insgesamt € 416.927 zur Verfügung gestellt. Bei einer Gesamtfördersumme von € 1.065.156 berechnet sich somit ein Prozentsatz von rund 40 %. Für ein international angelegtes Projekt, wie es die Ortstermine-Reihe darstellt, ist dies eine beachtliche Beteiligung von Münchner Künstlerinnen und Künstlern.
Im Bereich Ortstermine 2004 - Musik im öffentlichen Raum wurde das Budget (€ 90.000) ausschließlich an Münchner KünstlerInnen vergeben.
In der Reihe Ortstermine 2005 sind sechs Projekte von Münchner KünstlerInnen mit einem Betrag von € 212.500 vertreten: Benjamin Bergmann „Tunnelfassade“ (€ 86.000), Empfangshalle „gei-hin-holl“ (€ 71.000), Stefan Wischnewski „Paradise Lost“ (€12.000), Walter Siegfried „Rufen - Mobile Gesangsskulptur“( € 19.500), Christoph Reiserer „Tisch“ (€ 9.500), Cornelie Müller „Rosarium“( € 14.500). Der Etat für die Ortstermine 2005
(3. Phase der Pilotphase) beträgt insgesamt 598.500, davon stehen € 43.500 für Musikprojekte zur Verfügung.
Mit Ortstermine hat das Kulturreferat ein zeitgemäßes Forum für Gegenwartskunst etabliert, das die Förderung in den Bereichen Bildender Kunst, Musik, Theater interdisziplinär erweitert. Damit haben sich die Ortstermine als wichtige Ergänzung zu den herkömmlichen Museums- und Kunstvermittlungsformen erwiesen. Dabei lag die Idee der Vernetzung von Münchner KünstlerInnen mit international bekannten KünstlerInnen von vorneherein konzeptionell zugrunde. Mit den Themen der Gegenwartskunst konnte darüber hinaus eine breite Öffentlichkeit angesprochen werden, wie es beispielsweise Rudolf Herz mit seinem Projekt „Lenin on Tour“ getan hat. Der Künstler startete in München und fuhr 8000 km quer durch Europa, um die Tour in Dresden und Berlin zu beenden. Die überregionale Resonanz und auch die Präsenz in den Medien war in allen Städten sehr positiv. Auch das Münchner Künstlerduo M+M präsentierte ihre Arbeit direkt im Anschluss an die Ortstermine außerhalb Münchens im Museum für Fotografie in Berlin (Ende 2004/Anfang 2005), sowie auf der Videonale in Bonn im Frühjahr 2005. Die Künstlergruppe Schleuser.net nimmt im Frühjahr 2005 bei einer Tagung in N.Y. teil, um ihre Arbeit vor einem internationalen Publikum zur Diskussion zu stellen. Die Künstler der Ortstermine vernetzen sich untereinander und unterstützen die diesjährigen Teilnehmer mit Ratschlägen, Kontakten und ihren Erfahrungen.
In diesem Kontext ist auch auf die Förderung Messestadt Riem hinzuweisen, die allerdings nicht den Schwerpunkt bei Münchner KünstlerInnen hatte.
Alle Zuschüsse für Kultureinrichtungen in den Bereichen Bildende und Darstellende Kunst und der Musikförderung in Höhe von € 1.648.100 für 2005 kommen in erster Linie Münchner KünstlerInnen zugute.


Frage 2:
Ist dem Kulturreferat bekannt, wie sich die Künstlerförderung im Rahmen der großen Festivals verteilt? Wenn ja, wie stellt sich die Gewichtung für die einzelnen Festivals dar?

Antwort:
Neben den genannten Maßnahmen gibt es die stärker überregional und international ausgerichteten Aktivitäten, von denen Münchner KünstlerInnen unmittelbar (im Sinne von Aufträgen) und mittelbar (im Sinne von internationaler Vernetzung und Anbindung) profitieren. Bezüglich der von der Stadt selbst veranstalteten und von ihr mitveranstalteten Festivals in den Bereichen Theater, Tanz und Performance sowie Musik und Literatur ist festzustellen, dass der Förderaspekt nachrangig gegenüber der von einer künstlerischen Leitung verantworteten Programmgestaltung ist. Es ist jedoch in allen Fällen (DANCE, SpielArt, Biennale, Tanzwerkstatt Europa, Internationale Frühjahrsbuchwoche) festzustellen, dass produktions- oder projektbezogen Münchner KünstlerInnen eingebunden werden. Obwohl der grundlegende Programmauftrag der drei Münchener Festivals Münchener Biennale, SPIELART und DANCE also in erster Linie darin besteht, ein Fenster in die künstlerische Welt außerhalb Münchens zu öffnen, profitieren Münchner Künstler direkt und indirekt davon. Festivals präsentieren den State-of-the-Art der internationalen oder transnationalen Künstler-Community in München und sind damit ein für Publikum und Künstler relevanter Gradmesser bzw. stellen zunächst eine Kommunikationsgrundlage her. Die Diskussion um Kriterien der zeitgenössischen Kunst und damit der Selbsteinschätzung der Künstler in München ist so ohne solche eine am konkreten gemeinsam erfahrenen Beispiel kaum möglich. Alle Münchner Festivals bieten darüber hinaus in unterschiedlicher Weise Arbeits- und- Austauschsituationen für Münchner Künstler, die in den jeweiligen Biographien eine oft nicht unwesentliche Rolle spielen. Dabei hat es sich für die Festivals als notwendig erwiesen, nur mit Münchner Künstlern zusammenzuarbeiten, die auch eine realistische Chance auf eine erfolgreiche Arbeit haben. Einige Beispiele aus jüngster Zeit:

· Die Münchner Musikgruppe 48nord wird im Rahmen und mit theatraler Koproduktion von SPIELART 05 das Ortstermin-Projekt THE HOMELESS KARAOKE CLUB im internationalen Kontext des Festivals präsentieren.

· SPIELART 2003 stellte das Werk der Münchener Theatermacherin Cornelie Müller KNITTEL: EIN PAARTANZ im Rahmen des Festivals vor. Daraufhin wurde es zum Impulse-Festival des freien Theaters eingeladen und erhielt dort den ersten Preis.

· Bei SPIELART 2003 erarbeiteten fünf Münchner Schauspielerinnen mit der polnischen Theatergruppe TEATR CINEMA ein neues Stück, das mittlerweile nach München in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Zürich, Posen und Krakau aufgeführt wurde.

· Die Münchner Komponistin Helga Polgatschar stellte bei DANCE 2004 mit dem Tänzer und Choreographen Cesc Gelabert ihr neues Projekt der Öffentlichkeit vor.

· Die Münchener Biennale engagiert als Produzent von neuen Opern eine Vielzahl von Münchner Einzelkünstlern und Ensembles und beteiligt sie damit an dem internationalen Erfolg der einzelnen Werke. Gerade durch die weltweiten Koproduktionen der Münchener Biennale eröffnen sich Auftrittschancen für Münchner KünstlerInnen in New York, Amsterdam, Wien und anderen Metropolen.


Frage 3
Ist das Kulturreferat der Ansicht, dass der „Förderanteil“ der Münchner KünstlerInnen angemessen ist?

Antwort
Für alle Kunstbereiche wird festgestellt, dass der „Förderanteil“ der Münchner KünstlerInnen angemessen ist. Insgesamt hat sich das System aus aufeinander abgestimmten Fördermaßnahmen bewährt und wird Münchner KünstlerInnen gerecht.

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