Schulreferentin Weiß-Söllner beantwortete die Anfrage am 12.6.05:
zu Ihrer Anfrage darf ich Ihnen Folgendes mitteilen: Seit 30. September 2004 werden EQ-Jugendliche von der Arbeitsagentur München vermittelt und besuchen derzeit einige Städtische Berufsschulen. Die Einstiegsqualifizierung für Jugendliche (EQJ) ist Teil des Ausbildungspaktes und soll ausbildungsfähigen und willigen Jugendlichen bis 25 Jahren eine Brücke in die Ausbildung ermöglichen. Finanziell werden die Jugendlichen von der Agentur für Arbeit unterstützt. Hierzu erhalten die Betriebe 192,00 €, die an die Jugendlichen weitergegeben werden, sowie einen Pauschalbetrag von 102,00 € für die Sozialversicherungsbeiträge. Einige Betriebe erhöhen die Unterstützung sogar bis zur Höhe der Ausbildungsvergütung.
Da die Maßnahme erst seit einigen Monaten greift und mittelfristige Erfahrungswerte fehlen, ist sie derzeit noch mit organisatorischen und inhaltlichen Problemen behaftet, auf die in den nachfolgenden Ausführungen näher eingegangen wird.
Grundsätzlich besteht die Befürchtung, dass die EQJ-Maßnahme, die für die Betriebe keine Kosten verursacht, in einigen Fällen als Alternative zur Vergabe eines regulären Ausbildungsplatzes genutzt und somit entgegen der Zielsetzung missbraucht wird.
Zu den einzelnen Fragen:
1. Wie viele Jugendliche, die sich im EQJ-Projekt befinden, werden an Münchener Berufsschulen beschult?
Aktuell nehmen am Unterricht der städtischen Berufsschulen ca. 125 Jugendliche teil (Stand: 18.03.2005), wobei die Agentur für Arbeit München 212 besetzte EQJ-Stellen verzeichnet (siehe Folie 1: Situation in München, Bundesagentur für Arbeit, Agentur für Arbeit München). Die Differenz der Zahlen kann mit der unterschiedlichen Verpflichtung zum Schulbesuch erklärt werden. Die EQJ-Maßnahme begründet gemäß Artikel 2 Absatz 4 der EQJ-Programm-Richtlinie - EQJR vom 28. Juli 2004 keine gesonderte Be-rufsschulpflicht. Demzufolge sind lediglich Hauptschüler berufsschulpflichtig, während EQ-Jugendliche mit mittlerem Bildungsabschluss oder Fachhochschulreife bzw. Hochschulreife berufsschulberechtigt sind. Jugendliche mit mittlerem Bildungsabschluss werden erst mit Beginn einer Berufsausbildung berufsschulpflichtig.
Zum Vergleich: An berufsvorbereitenden Maßnahmen der Agentur für Arbeit, München nehmen derzeit ca. 1200 Jugendliche teil.
2. In welchen Berufsbereichen werden Praktikumsplätze hauptsächlich angeboten?
Hauptsächlich werden Plätze im kaufmännischen Bereich (z.B. Einzelhandel, Büroorganisation und Großhandel), im gewerblichen Bereich (Metall und Elektro) sowie in der Gastronomie angeboten.
3. Werden die Jugendlichen grundsätzlich an den zum Berufszweig gehörenden Schulen unterrichtet?
Grundsätzlich kann diese Frage bejaht werden.
4. Kann gewährleistet werden, dass die Schülerinnen und Schüler dem Unterricht folgen können, obwohl sie meist während des laufenden Schuljahres eintreten?
Erfolge im Lernprozess sind bei den Jugendlichen grundsätzlich sehr abhängig vom Zeitpunkt des tatsächlichen Eintritts in die entsprechende Berufsschule. Je später der Eintritt im laufenden Schuljahr erfolgt, desto schwerer können Schülerinnen und Schüler dem Unterricht folgen.
Weiterhin ist der Lernerfolg der Praktikantinnen und Praktikanten sehr von den individuellen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Vorkenntnissen abhängig. Die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der betreffenden Jugendlichen differiert sehr stark. Das Spektrum reicht von sehr engagierten und erfolgreichen Schülerinnen und Schülern bis zu jenen, die erhebliche Schwierigkeiten beim Umgang mit dem zu erlernenden Unterrichtsstoff haben.
5. Welche Auswirkungen hat das Projekt auf die Planung von LehrerInneneinsatz und Klassenbildung?
Es gibt keine Planungssicherheit bei Abgabe der Oktoberstatistik, da unversorgte Jugendliche erst ab September des laufenden Jahres EQJ-Angebote erhalten sollen und die Oktoberstatistik der Städtischen Berufsschulen bereits Anfang Oktober erstellt wird.
Aus diesem Grund ist für das kommende Jahr ein Konzept für den schulischen Einsatz der Jugendlichen entwickelt worden. EQJ-Praktikantinnen und Praktikanten, die bis ca. Ende Dezember einen Vertrag erhalten, werden analog dem bisherigen Vorgehen in entsprechenden Fachklassen beschult. Jugendliche, die erst ab ca. Januar einen Vertrag erhalten, werden in ausgewählten Städtischen Berufsschulen in eigenen Klassen mit branchenübergreifenden Grundlagenschulungen zusammengefasst. Diese Vorgehensweise gestattet eine bessere Planung des Lehrkräfteeinsatzes und ermöglicht den Jugendlichen zielgruppengerechten Unterricht, obwohl sie erst zu einem sehr späten Zeitpunkt im laufenden Schuljahr in den Berufsschulunterricht eintreten.
6. Besteht die Perspektive für die Jugendlichen extra Klassen zu bilden, um einen zielgruppengerechten Fachunterricht anzubieten?
Die Städtischen Berufsschulen der betroffenen Schwerpunktbranchen versuchen im nächsten Schuljahr verstärkt eigene Klassen zu bilden. Bei geringer Anzahl von EQJ-Schülerinnen und Schülern werden diese weiterhin in entsprechenden Fachklassen eingesetzt. EQJ-Praktikantinnen und Praktikanten, die erst ab ca. Januar in den Berufsschulunterricht eintreten, werden in branchenübergreifenden Klassen zusammengefasst (siehe Punkt 5).
Grundsätzlich wird im kommenden Schuljahr von einer steigenden Anzahl von besetzten EQJ-Plätzen ausgegangen.
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