P R E S S E M I T T E I L U N G
6. August 2007
Verstärkte Anstrengungen gegen häusliche Gewalt
Verstärkte Anstrengungen, um Migrantinnen gegen häusliche Gewalt zu schützen, fordert die Stadtratsfraktion Die Grünen rosa liste. In einem von Fraktionschefin Lydia Dietrich und Stadträtin Sedef Özakin unterzeichneten Antrag wird die Verwaltung gebeten, ein entsprechendes Konzept zu erstellen. Außerdem soll Oberbürgermeister Ude als Präsident des Deutschen Städtetags an die Bundesregierung appellieren, damit die Frist für ein eigenständiges Aufenthaltsrecht für aus dem Ausland angeheiratete Frauen verkürzt wird.
Auf der von der türkischen Zeitung „Hürriyet“ geschalteten Telefonhotline gegen häusliche Gewalt haben in einem Jahr ca. 200 Frauen gemeldet. Über 75 % von ihnen sind über die sogenannte Familienzusammenführung nach Deutschland gekommen, d.h. sie haben einen in Deutschland lebenden Partner geheiratet. Die meisten dieser Frauen sind finanziell von ihrem Ehemann abhängig und sprechen kein oder nur wenig deutsch. Ihr Aufenthaltsrecht ist daran gebunden, dass sie bei einem gewalttätigen Mann ausharren, denn erst nach zwei Jahren können sie ein eigenständiges Aufenthaltsrecht beantragen. Laut Informationen von „Hürriyet“ ist außerdem deutlich geworden, dass Beratungsstellen, Frauenhäuser und Jugendämter, also potenzielle Hilfsangebote, in der türkischen Community oft extrem verzerrt dargestellt werden.
Lydia Dietrich: „Wir müssen unsere Bemühungen verstärken, gerade solche Frauen zu erreichen, die absolut isoliert in ihren Familien leben. Eine Aufklärungskampagne mit Informationen über die Hilfsangebote muss so konzipiert sein, dass sie auch diese Frauen erreicht. Dazu sollte vor allem die Zusammenarbeit mit den Selbsthilfeeinrichtungen der MigrantInnen sowie mit Repräsentanten der türkischen Community und den Moscheevereinen ausgebaut werden.“
Sedef Özakin: „Frauenhäuser gelten in manchen türkischen Kreisen als eine Art Gefängnis, aus dem man nicht mehr herauskommt. Auch das Jugendamt oder Familienhelfer werden eher als Bedrohung wahrgenommen. Die Frauen müssen also zunächst darüber aufgeklärt werden, dass sie von Beratungsstellen tatsächliche Hilfe und keine Bestrafung zu erwarten haben.“
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