Münchner Stadtbibliothek langfristig sichern
Pressegespräch von SPD und Grüne - rosa liste am Freitag, 23. September 2005
Im letzten Jahr stellte die Münchner Stadtbibliothek mit mehr als zwölf Millionen Entleihungen erneut einen Besucherrekord auf. Insgesamt fließen im Rahmen des Kulturhaushalts jedes Jahr knapp 30 Millionen Euro in das größte Kulturinstitut der Stadt. Da aber die Ausgaben von Jahr zu Jahr steigen allein die Personalausgaben wachsen bis zum Jahr 2012 um geschätzte 2,5 Millionen Euro , besteht dringender Handlungsbedarf, um das Münchner Bibliothekensystem zukunftsfest zu machen.
Ziel des rot-grünen Rathausbündnisses ist es, das Angebot der Stadtbibliothek strukturell zu sichern. Die Mehrausgaben müssen weitestgehend ausgeglichen werden. Gleichzeitig soll es allen Münchnern möglich sein, die Stadtbibliothek kostengünstig zu nutzen.
Dafür ist es notwendig,
1. die Einrichtung der Mittelpunktsbibliotheken zu gewährleisten
2. die Selbstverbuchung flächendeckend einzuführen
3. die Gebühren anzupassen
Bau der Mittelpunktsbibliotheken schreitet voran
Der Bau der drei Mittelpunktsbibliotheken ist bisher bedauerlich langsam vorangegangen. An den drei Standorten gab es allerdings jeweils unterschiedliche Gründe für die Verzögerungen. Dies ist um so bedauerlicher, da die Errichtung der Mittelpunktsbibliotheken einen entscheidenden Faktor bei der Erreichung der Konsolidierungsziele darstellen.
Bei der Bibliothek am Neuhauser Trafo liegen bereits zwei Planungsvarianten vor und es erfolgt 2007 der Baubeginn. Mit der Inbetriebnahme ist 2009 zu rechnen.
Auf der Nordheide waren wegen einer Grundstücksreduzierung massive Umplanungen nötig. Das Raumprogramm kommt im Herbst 2005 in den Stadtrat. Mit einer Inbetriebnahme ist im Sommer 2011 zu rechnen.
Im Bezug auf das Grundstück an der Deisenhofener-/Herzogstandstraße setzen sich die beiden Fraktionen SPD und Bündnis’90/Die Grünen das Ziel, noch in diesem Jahr die Entscheidung zu treffen ob die Bibliothek und Kinderkrippe nun doch mit einem Sozialbürgerhaus oder in Kombination mit Wohnungsbau realisiert werden soll. Hierfür wird in den nächsten Tagen ein entsprechender dringlicher Antrag gestellt.
Erweiterung der Laimer Stadtbibliothek
Trotz der schlechten städtischen Finanzlage wird die Stadtbibliothek Laim um etwa 200 Quadratmeter erweitert. Die Bibliothek an der Fürstenrieder Straße 53 besteht derzeit aus einem etwa 850 Quadratmeter großen, langgestreckten Raum, in dem sich Bücherregale als auch Lesesaal befinden. Dadurch war es bisher schwierig, Lesungen oder Kinderveranstaltungen durchzuführen, ohne den Lese- und Ausleihbetrieb zu stören. Durch den neuen Raum im ersten Stock wird die Laimer Bibliothek zu einer wesentlich attraktiveren Veranstaltungsbibliothek mit mehr als 1.000 Quadratmetern.
Entwicklung der Gebühren
Um die Kostensteigerungen ohne Einsparungen an Service oder Qualität aufzufangen, besteht die Notwendigkeit zur Gebührenanpassung.
Die Jahresbibliotheksgebühr von derzeit 15 Euro (ermäßigt 7,50 Euro) soll zum 1. Januar 2006 auf 18 Euro (ermäßigt 9 Euro) angehoben werden. Damit liegt München noch immer hinter Hamburg (38 Euro), Wuppertal (25 Euro), Köln (21 Euro), Bremen (20 Euro) und Hannover (20 Euro).
Zur Verdeutlichung: Während München einen Bestand von 3,15 Millionen Medien und ein Netz von 25 Bibliotheken vorweist, sind es in Wuppertal 750.000 Medien und acht Filialen, in Köln 1,03 Millionen Medien und zwölf Filialen, in Bremen 564.800 Medien und sieben Filialen sowie in Hannover 1,4 Millionen Medien und 19 Filialen.
Außerdem werden die Versäumnisgebühren von 25 Cent auf 30 Cent und die Vormerkgebühr von 70 Cent auf einen Euro angehoben. Neu eingeführt wird eine Gebühr von einen Euro für die bisher kostenfreie erste Mahnung. Allein diese Maßnahme soll zu 240.000 Euro Mehreinnahmen führen.
Insgesamt dürften die Einnahmen der Jahresgebühr, der Vormerk- und Versäumnisgebühren und der ersten Mahnung einer Summe von 540.000 Euro einbringen.
Kostenfreiheit für Kinder und Jugendliche
Allein in der Kinder- und Jugendbibliothek werden pro Jahr 0,5 Millionen Medien entliehen.
Ein wichtiges Anliegen der SPD-Fraktion und der Fraktion Grüne-rosa liste ist es, dass die Erhöhung keine Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren trifft. Diese Besuchergruppe bleibt anders als in Hamburg (drei bis sechs Euro), Essen (acht Euro) und Duisburg (sechs bis neun Euro) von den Gebühren befreit. Auch die Versäumnisgebühren (15 Cent) und Vormerkgebühren (50 Cent) werden für Kinder und Jugendliche nicht erhöht.
Einführung der Selbstverbuchung
Der Stadtrat hat im Januar 2005 den Weg für das europaweit größte Selbstverbuchungsprojekt für die Ausleihe und Rückgabe der Bücher und Medien freigemacht. Nutzer der Bibliothek können ab Anfang 2006 in der Zentralbibliothek am Gasteig und den zwei Pilotbibliotheken Pasing und Waldtrudering ihre Bücher selbstständig entleihen. Auf Anregung des Stadtrats wird es auch möglich sein, Bücher außerhalb der regulären Öffnungszeiten zum Beispiel im Foyer vom Gasteig an einem Automaten zurückzugeben. Die flächendeckende Einführung der Selbstverbuchung bis 2011 ist nicht nur mit einer jährlichen Einsparung von 1,47 Millionen Euro verbunden, sondern bedeutet auch eine Serviceverbesserung für den Leser. Auf dem RFID-Chip sind keine personenbezogenen Daten und keine Titelbezeichnung gespeichert, so dass auch der Datenschutz gesichert ist.
Samstagsöffnung in der Zentralbibliothek am Gasteig
Der Stadtrat hat sich dafür ausgesprochen, ab dem Jahr 2007 nicht nur den Zeitschriftenlesesaal, sondern die gesamte Zentralbibliothek am Gasteig auch am Samstag zu öffnen. So kommt ein attraktives Angebot für Berufstätige hinzu, das unserer Ansicht nach neue Kundenschichten für die Münchner Stadtbibliothek erschließt.
Förderverein Bücher&mehr vereint ehemalige Gegner
Vor etwa zweieinhalb Jahren präsentierte die rot-grüne Stadtratsmehrheit das so genannte Zukunftskonzept Stadtbibliothek. Vor zwei Jahren kam es zum so genannten „Bücherbegehren“, bei dem die Münchner aufgefordert waren, über die Zukunft der Bibliotheken abzustimmen. Die damaligen Kontrahenten des Bürgerbegehrens gründeten zusammen mit engagierten Mitarbeitern und Vertretern des Stadtrats den Förderverein „Bücher&mehr“. Der Verein führt eigene Veranstaltungen und Lesungen zum Beispiel mit Taja Kinkel und Herbert Rosendorfer durch und zählt etwa 100 Mitglieder, die für durchschnittlich 40 Euro Mitgliedsbeitrag von der Bibliotheksjahresgebühr befreit sind. Ziel ist es, den Verein zu einem starken Mitgliederverein zu machen und durch die Einnahmen zusätzliche Anschaffungen durchzuführen sowie Angebote auszubauen.
Keine ersatzlosen Schließungen von Bibliotheken
SPD und Grüne bleiben bei ihrer Aussage von 2003: Auch künftig wird es trotz weiterhin zugespitzter Finanzlage keine ersatzlosen Schließungen von Stadtteilbibliotheken geben. Wir setzen verantwortungsvoll und mit Weitblick die Rahmenbedingungen für die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte Münchner Stadtbibliothek.
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