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P R E S S E M I T T E I L U N G
06.06.00
Hände weg von der Fröttmaninger Heide!
Im morgigen Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung wird der Grundsatzbeschluss für eine Wohnbausiedlung mit 450 bis 500 Wohneinheiten an der Fröttmaninger Heide gefälllt. Die Stadtratsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen - rosa liste wird sich sich gegen das Bauvorhaben aussprechen.
Gefährdung der Fröttmaninger Heide
Die Fröttmaninger Heide besitzt einen sehr hohen ökologischen Wert als essentieller Bestandteil der noch intakten Heidelandschaft im Münchner Norden. Es handelt sich um die größte zusammenhängende Heidefläche auf den Schottern der Alpenflüsse mit zahlreichen seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten (z.B. Steinschmätzer, Wechselkröte oder Adonisröschen). Die Münchner Heideflächen, die sich über Jahrhunderte aufgrund extensiver Schafbeweidung entwickelten, sind darüber hinaus ein seltenes Relikt unserer vielfältigen Kulturlandschaft in der ansonsten durch intensive Landwirtschaft geprägten, nivellierten Landschaft. Aufgrund des hohen ökologischen Wertes ist schon länger in der Planung, die Fröttmaninger Heide als Naturschutzgebiet auszuweisen. Auch soll auf Vorschlag der Landeshauptstadt München das Gebiet in die Liste der europäischen Schutzgebiete (Flora-Fauna-Habitat-Gebiete) aufgenommen werden.
Die Fröttmaninger Heide dient momentan der Bundeswehr als Truppenübungsplatz. Nördlich der Kieferngartensiedlung, am Rande der Fröttmaninger Heide, liegt ein ca. 11 ha großes Areal, das sich im Besitz der Bayerischen Landessiedlung befindet und nun den kapitalistischen Verwertungsinteressen zum Opfer fallen soll: Die Bayerische Landessiedlung plant, das Gebiet unter dem Deckmantel einer "ökologischen Mustersiedlung" zu bebauen. Das geplante Baugebiet wird derzeit als Maisacker genutzt, besitzt also selbst keinen hohen Naturschutzwert. "Jedoch, führt Stadträtin Judith Schmalzl aus, die eigentliche Gefahr, die von der Bebauung ausgeht, liegt darin, dass der geschlossene Stadtrand im Norden aufgebrochen wird. Falls die Bundeswehr ihren Truppenübungsplatz dort aufgibt, steht die Fröttmaninger Heide als attraktives Siedlungsgebiet für Immobilienspekulanten zur Disposition. Die jetzige Ackerfläche besitzt aber bei weniger intensiver Nutzung ein großes ökologisches Potential als Vernetzungselement zwischen der Fröttmaninger Heide und den Isarauen sowie als Pufferfläche für Erholungsnutzung zwischen den Wohngebieten am Kieferngarten und den Heideflächen."
Verfehlte Siedlungsplanung
Die Argumente der Befürworter dieses Siedlungsvorhabens sind - näher betrachtet - relativ dürftig:
Zentrales Argument für eine Bebauung ist die gute Nahverkehrsanbindung durch die U-Bahn-Haltestelle Fröttmaning. Aber: Eine Siedlungsentwicklung, die sich ihre Sachzwänge selbst schafft, um hinterher verdichten zu müssen, ist äußerst fragwürdig und steht für mangelnde Koordination zwischen Siedlungsentwicklungsplanung und U-Bahn-Planung. Dazu kommt, dass die geplante Siedlungsdichte im Verhältnis zur U-Bahn-Nähe zu gering ist.
Das zweite Argument, das von den Befürwortern immer wieder ins Feld geführt wird, ist der Druck, kostengünstigen Wohnraum mit Grünflächen für junge Familien zu schaffen, um die Abwanderungstendenz dieser Bevölkerungsgruppe ins Umland zu verhindern. Dazu Stadtrat Helmut Steyrer: "Das Argument ist sicher stichhaltig. Wir sind jedoch der Auffassung, dass die Stadt-Umland-Problematik auf anderer Ebene diskutiert werden muss und durch die Schaffung von etwa 300 Eigenheimen am Stadtrand kaum nachhaltig gelöst werden kann. Darüber hinaus widerspricht eine solche Siedlungsplanung den Grundsätzen der Perspektive München "kompakt, urban, grün", in der der Innenstadtentwicklung Vorrang vor der Ausweisung von Baurecht am Stadtrand eingeräumt wird. Und Entwicklungsgebiete in der Innenstadt hat München mit der Theresienhöhe, der Achse Hauptbahnhof-Laim-Pasing oder dem Ackermannbogen reichlich zu bieten."
Die ökologische Mustersiedlung verdient ihren Namen nicht
Die Investoren werten mit Hilfe namhafter Architekten und Landschaftsarchitekten, die für ökologisches Bauen stehen, ihr Siedlungsvorhaben auf. In einer "Stadtrats-Überzeugungs-Veranstaltung" an der TU-München wurde allerdings klar, dass die Planung noch nicht so ausgereift ist, dass eine Beurteilung des Hochbaus derzeit möglich wäre. Möglicherweise notwendig werdende Infrastruktureinrichtungen wie Geschäfte, Schulen oder Kindergärten wurden ebenso wenig mitgedacht wie ein Energiekonzept. Die geplante Siedlungsstruktur und das Freiraumkonzept sind ausgesprochen dürftig: Die sogenannten ökologischen Elemente wie Regenwasserversickerung sowie Fassaden- und Dachbegrünung sind mittlerweile Standard. Entgegen die Regeln der Kunst ökologischen Planens ist der hohe Anteil von 15 % der Verkehrsfläche an der Gesamtfläche. Stadtrat Helmut Steyrer kritisiert das ausgesprochen autofreundliche Konzept: "Das Konzept "mit dem Auto bis vor die Haustür" ist nicht geeignet, das U-Bahn-Fahren schmackhaft zu machen. Rad- und Fußwegebeziehungen sind ebensowenig mitgedacht wie Konzepte für autofreies Wohnen. Die größte Gefahr jedoch, die von dem Siedlungskonzept ausgeht, ist die ringförmige Verkehrserschließung, die eine addierbare Siedlungsentwicklung, das heißt eine Erweiterung der Siedlung im Norden und Osten auf die Heideflächen ohne weiteres möglich macht.
Stadträtin Judith Schmalzl: "Die Fröttmaninger Heide muss vor dem Zugriff von Grundstücks- und Immobilienmaklern geschützt werden. Das vorgelegte Konzept ist, was den ökologischen Modellcharakter betrifft, nicht überzeugend und kann genauso an jedem anderen beliebigen Standort realisiert werden."
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