|
14.08.2007
Antrag
Olympia - München 2018
ökologisch nachhaltig fair
Zur Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 erarbeitet die LH München zusammen mit den anderen Austragungsorten ein detailliertes Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzept, in das die folgenden Leitlinien und Pilotprojekte integriert werden:
I. Leitlinien
1. Klimaneutralität
München 2018 verpflichtet sich zum Klimaschutz: Durch die Veranstaltung der Olympischen Spiele werden keine zusätzlichen Treibhausgase produziert.
Diese Klimaneutralität wird erreicht durch die Reduzierung des Energieverbrauchs, den Einsatz regenerativer Energieträger, Einsatz von Kraftwärmekopplung, eine energetisch hocheffiziente Bauweise des Olympischen Dorfes und der eventuell neu zu errichtenden Sportstätten sowie durch die Forcierung umweltfreundlicher Verkehrsmittel (siehe Leitlinie 5). Die Klimaneutralität beinhaltet sowohl die Durchführung der Spiele selbst, als auch die An- und Abreise, die Errichtung der Sportstätten und der sonstigen Infrastruktur, den Ausbau und Betrieb der Seilbahnen und vor allem auch die Nachnutzung der Anlagen und Gebäude. Beschneiungsanlagen sollen nur im Notfall betrieben werden und dann mit Wasser aus eigenen Staubecken und modernsten Niederdruckanlagen.
Jede Erhöhung des CO2-Ausstoßes, die durch den Bau, Betrieb und die Durchführung der Olympischen Spiele 2018 entsteht, muss durch CO2- Emissionssenkungsmaßnahmen und -projekte vorrangig in München und im Umland, aber auch weltweit kompensiert werden. Es ist ein Fonds für Umwelt und Nachsorge zur Umsetzung aller geforderten Umweltentlastungs- und Ausgleichsmaßnahmen zu gründen.
2. Flächenverbrauch minimieren
München 2018 unternimmt alle Anstrengungen zur Minimierung des Verbrauchs bisher nicht oder nur wenig versiegelter Flächen. Das gilt auch für Sportwettbewerbe im Umland. Vorrang vor Neubauten muss die Nutzung und /oder der Umbau vorhandener Sportstätten haben. Versiegelte Flächen wie alte Kasernengelände sollen vorrangig für Neubauten genutzt werden. Ziel muss es sein, die Flächeninanspruchnahme für die olympischen Wohn- und Sportstätten auf Netto-Null zu begrenzen d.h. keine Erhöhung des Anteils versiegelter Flächen durch olympiabedingte Baumaßnahmen und vollständiger Ausgleich des nicht vermeidbaren Verbrauchs von unversiegelten Flächen durch Maßnahmen zur Aufwertung von Naturflächen.
3. Ressourcen schonen
München 2018 verpflichtet sich zum schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen dieser Erde. Dazu gehört die Minimierung der Inanspruchnahme nicht nachwachsender Rohstoffe wie mineralischer Rohstoffe und Erze zum Bauen sowie fossiler und nuklearer Energieträger. Auch der Einsatz umweltbelastender Stoffe und Materialien wie PVC oder teilhalogenierte organische Substanzen für Klimatisierungen soll soweit als möglich vermieden werden.
4. Abfälle minimieren
München 2018 verpflichtet sich zur Vermeidung und weitgehenden Kreislaufführung von Abfällen. Dazu gehören sowohl Abfälle, die bei den Veranstaltungen selbst anfallen als auch Bauschutt, Baustellenabfälle und Bodenaushub, der bei der Errichtung der Infrastruktur anfällt.
5. Umweltfreundliche Mobilität
München 2018 setzt sich ein für den Vorrang umweltfreundlicher Verkehrsmittel. Dazu gehört u.a. der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in der Stadt und ins Umland, die Ertüchtigung der Bahnstrecken zu eventuellen Sportstätten im Oberland und im Chiemgau, Steigerung der Attraktivität öffentlicher Verkehrsmittel, Mobilitätsmanagement zur umweltfreundlichen Erreichbarkeit der Sportstätten. Wenn unbedingt nötig werden die Straßen zu den Sportstätten schonend und umweltverträglich ausgebaut.
München 2018 fördert Antriebstechnologien für den Transport, die nicht auf fossilen und atomaren Energieträgern beruhen z.B. Solarmobile, Elektro-Solarroller etc.
6. Naturschutz beachten und hervorheben
München 2018 erhält und schützt die biologische Vielfalt und vermeidet weitere Zerschneidung von Lebensräumen. München 2018 respektiert die Ziele des Biotop- und Artenschutzes bei allen Planungen. Eingriffe in die Natur sind soweit als möglich zu vermeiden. Unvermeidliche Belastungen für die Natur müssen durch notwendige Ausgleichsmaßnahmen in räumlicher Nähe zu den Eingriffen und zeitlich mindestens ein Jahr vor den Eingriffen durchgeführt werden.
7. Leben in der „Einen Welt“
Olympische Spiele verfolgen mit dem Sport das Ziel der Völkerverständigung und Gleichberechtigung aller Völker und Menschen auf der Welt. Dazu gehört auch die Schaffung gleicher Lebensbedingungen. Zur Unterstützung dieses Zieles kauft München 2018 im Sinne der Agenda 21 nur Waren ein, die ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. Dazu wird von allen Zulieferern eine Erklärung zur Kinderarbeit gefordert.
Außerdem bevorzugt München 2018 bei gleicher Eignung Produkte, die aus „fairem Handel“ mit Entwicklungsländern eingekauft wurden. Ein vertretbar höheres Preisniveau wird akzeptiert. München als Mitglied des Klimabündnisses unterstützt zu den Olympischen Spielen nachhaltige Projekte in den Regenwaldgebieten.
8. Ernährung
München 2018 versorgt die Sportler, aber auch die Besucher in den Sportstätten mit Lebensmitteln, die einen möglichst hohen Anteil aus ökologischem und/oder regionalem Anbau haben. Bei Importprodukten werden Waren aus fairem Handel und aus ökologischem Anbau bevorzugt. Auf Nahrungsmittel mit genmanipulierten Bestandteilen wird verzichtet.
9. Bürgerbeteiligung und Umweltkommunikation
München 2018 schafft und erhält einen transparenten, demokratischen Planungsprozess, in den die lokale Bevölkerung, die interessierte Öffentlichkeit und Nichtregierungsorganisationen auf lokaler und nationaler Ebene eingebunden sind. Dabei steht die Information über die Anstrengungen im Bereich Ökologie und Nachhaltigkeit im Vordergrund.
II. Leitprojekte:
1. Ein energetisch hochwertiges Olympisches Dorf, das CO2-neutral ist.
2. Ein Olympia-Bus- und Bahnkonzept für die Region
3. Ausbau des Grünzug- und Biotopverbundes in München und mit dem Umland
An der Erstellung des Konzeptes müssen Umweltverbände, Bürgervereine und Forschungseinrichtungen beteiligt werden.
Die Finanzierung des Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzeptes muss sichergestellt werden. Dafür sind gezielt Sponsoren zu suchen.
Begründung:
Olympia 2018 in München ist eine Chance für die Landeshauptstadt. Aber nur dann, wenn die olympischen Spiele 2018 in München und Umgebung als die ersten ökologischen und nachhaltigen Winterspiele der Neuzeit geplant werden.
Das IOC betrachtet schon seit einigen Jahren Umwelt, neben Sport und Kultur, als dritte Säule der olympischen Bewegung. Olympische Spiele sind in ihrer heutigen Dimension mit enormen Waren-, Energie-, und Personenströmen, mit weitreichenden ökonomischen Verflechtungen und mit städtebaulichen Projekten verbunden, die weit über den Bau von Sportstätten hinausgehen. Sie verknüpfen Sport, Ökonomie und Ökologie, stellen Weichen für die Entwicklung der Ausrichterstadt und beeinflussen die Lebensbedingungen und das Gestaltungspotential zukünftiger Generationen. Auf der III. World Conference on Sport and the Environment 1999 hat das IOC deshalb ein eigenes Konzept zur Nachhaltigkeit der olympischen Bewegung entwickelt : Olympic Movements AGENDA 21“.
Nachhaltigkeit und Klimaschutz spielen in München seit Jahren eine große Rolle. Förderungen erneuerbarer Energien und Energieeinsparmaßnahmen, Agenda 21 Projekte, umweltfreundliche Abfallwirtschaft, ökologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Güter und Wälder, Ausbau des Radwegenetzes, kontinuierlicher Ausbau des ÖPNV sind nur einige Meilensteine auf die rot-grüne Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik zurückblicken kann. Doch München hat noch viel mehr Potenzial, sich ökologisch zu profilieren. Dazu bieten die olympischen Spiele eine einmalige Chance. Großereignisse stellen immer Weichen in einer Stadt, wie schon Olympia 1972 gezeigt hat. Wie sähe München wohl ohne die Olympischen Spiele 1972 aus? Kaum vorstellbar. Heute müssen Umweltschutz und Nachhaltigkeit als Kernpunkte einer verantwortungsvollen Entwicklung im Mittelpunkt stehen.
Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen rosa liste
Sabine Krieger
Stadträtin
|