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18. 10. 2006
ANFRAGE
70 Jahre Bekleidungshaus KONEN
135 Jahre Herren- und Knabenbekleidung Isidor Bach
Wann stellt sich der Münchner Einzelhandel seiner Geschichte?
Vom 5. 13. Oktober 06 feierte das „Traditions-Modehaus KONEN“ mit großer öffentlicher Wirkung seinen 70. Geburtstag. Auf der Seite Shopping-Guide bei muenchen.de war dieses Geburtstagsfest als „Topthema“ vermerkt.
Die Geschichte des heutigen Bekleidungshauses KONEN ist allerdings 65 Jahre älter als derzeit offiziell gefeiert wird. 1871 gründete der Kaufmann Isidor Bach ein Bekleidungsgeschäft. Schon wenige Jahre später eröffnete er in der Sendlinger Straße 5 das „Herren- und Knabenbekleidungsgeschäft Bach“. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten geriet die Firma als jüdisches Geschäft zunehmend unter Druck: Der Umsatz ging zurück, Mitglieder der SA hinderten potentielle Kunden am Einkaufen. 1936 musste Isidor Bach sein Geschäft aufgeben und seinem leitenden Angestellten Johann Konen übergeben: Es wurde wie es beschönigend genannt wurde „arisiert“. In dem Buch „München arisiert“ schreiben Baumann/Häusler kurz und bündig: „Wir haben es bei der „Arisierung“ mit der umfassendsten und systematischsten Raubaktion der modernen Geschichte zu tun, die an einer einzelnen Bevölkerungsgruppe innerhalb einer bürgerlichen Gesellschaft vollzogen wurde.“
Es ist einem Geschäft unbenommen, Jubiläen jeder Art zu feiern. Es bleibt aber die befremdliche Tatsache, dass mit der Feier des 70. Geburtstages nicht der Jahrestag der Geschäftsgründung (außer der formalen Umgründung im Rahmen der „Arisierung“), sondern der Jahrestag der „Arisierung“ gefeiert wurde. Die Geschichte ihres Bekleidungshauses KONEN ist den Betreibern sicher bekannt und sicher ist es schwierig im Rahmen einer verkaufsfördernden Jubiläumswoche daran zu erinnern. Aber andererseits führen solche Feierlichkeiten dazu, dass die Geschichte der Enteignung jüdischen Eigentums aus dem Bewusstsein der Münchner verschwindet.
Ich frage:
1. Sind diese historischen Tatsachen in irgendeiner Art und Weise thematisiert worden, als die Geburtstagsfeier als „Topthema“ in muenchen.de veröffentlicht wurde.
2. Ist dem Referat für Arbeit und Wirtschaft bekannt, wie der Münchner Einzelhandel mit dieser nicht nur das Bekleidungshaus KONEN betreffenden Geschichte der Arisierung umzugehen gedenkt?
3. Ist das Referat für Arbeit und Wirtschaft sowie der Oberbürgermeister bereit, diese Thematik in den entsprechenden Gremien anzusprechen und für mehr Sensibilität bei anderen anstehenden Jahrestagen einzutreten?
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen rosa Liste
Initiative: Siegfried Benker
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