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ddd


04.10.2006



Antrag

Erziehungskompetenz der Eltern stärken

Der Stadtrat möge beschließen:

In einem Pilotprojekt werden an einer Kindertagesstätte in München Elternseminare verpflichtend und an einer weiteren Kindertagesstätte freiwillig angeboten. Ziel dieser Seminare soll es sein, die Erziehungskompetenz der Eltern zu stärken, die Zusammenarbeit mit den Eltern zu verbessern und Bildungschancen der Kinder zu fördern.

Durch die unterschiedliche Konzeption von Verpflichtung und Freiwilligkeit, soll geklärt werden, welches Konzept zielführender ist und besser angenommen wird.

Die Elternseminare sollen in Zusammenarbeit mit dem PI, dem Sozialreferat/Stelle für interkulturelle Arbeit, dem Stadtjugendamt, den Migrationssozialdiensten und dem Ausländerbeirat erarbeitet werden. Vorbild könnten die „STEP“ Seminare sein.

Nach der Pilotphase von zwei Jahren, soll geklärt werden, ob das Angebot auf weitere Kindertagesstätten ausgeweitet wird.

In einem zweiten Schritt wird das Schulreferat gebeten zu prüfen, ob und an welchen Schulen Elternseminare angeboten werden können.


Begründung:

Viele Studien über Erfolg von Bildung und Erziehung haben gezeigt, dass die Integration und die Mitarbeit der Eltern am Kindergarten- und Schulleben, aber auch der Umgang mit ihren Kindern ein entscheidender Faktor für den Bildungserfolg ist. In Deutschland, auch in München, bestehen hier noch erhebliche Defizite. Elternabende allein, auch wenn sie in verschiedenen Sprachen abgehalten werden, erreichen viele Eltern nicht. Eltern glauben nicht, dort etwas erreichen zu können. Außerdem sind die Probleme von Eltern mit ihren Kindern oft so grundlegend, dass diese nicht an einem Elternabend gelöst werden können. Erziehungsvorstellungen mancher Familien, vor allem aus anderen Kulturkreisen, stehen teilweise in starkem Widerspruch zu den Erziehungsvorstellungen in deutschen Kindergärten und Schulen. Manche Eltern wissen heute oft nicht mehr, wie sie erziehen sollen. Viele wünschen sich Unterstützung bei der Erziehung und auch LehrerInnen wünschen sich Unterstützung durch und regen Austausch mit den Eltern. Deshalb ist der Ansatz der Nikolaus-August-Otto-Oberschule in Berlin so bemerkenswert.

Vor drei Jahren wurden dort erfolgreich Elternseminare zur Verbesserung der Erziehungskompetenz der Eltern verpflichtend eingeführt. Nur Eltern, die an diesen Seminaren teilnehmen, können ihr Kind auf die Nikolaus-August-Otto-Oberschule schicken. Und der Zulauf ist weit höher als Kinder aufgenommen werden können. Zehn Wochen lang, noch bevor ihre Kinder in die Oberschule eingeschult sind, kommen die Eltern zum STEP-Elterntraining. Sie gehen in Vorleistung für ihre Kinder und leben ihnen vor, dass sie sich für sie einsetzen, pünktlich erscheinen, regelmäßig die Seminare besuchen, auch wenn sie sich mal nicht gut fühlen, aktiv, mit viel Freude und großem Humor beteiligen und neuen Lern- und Arbeitsformen gegenüber aufgeschlossen sind, regelmäßig ihre Hausaufgaben machen, auf neue Erfahrungen einlassen.

Die Eltern stehen voll und ganz hinter dieser Anforderung und erkennen, welche Chance es sein kann, über Erziehung nachzudenken, sich mit anderen auszutauschen und gemeinsam neue Wege zu gehen.

Schulleben und Schüler haben sich durch die Kurse verändert. In einem Interview berichtete die Lehrerin und Initiatorin der Elternkurse Eva Schmoll. „Es ist plötzlich eine Unterstützung und Offenheit durch die Eltern da, die ich in 33 Jahren Schulerfahrung nicht erlebt habe. Die Beteiligung an den Elternabenden ist höher. Ich denke, es beeindruckt die Kinder ganz schön, dass die Eltern für sie in Vorleistung treten und um den Schulplatz für ihr Kind kämpfen. Da entsteht Verpflichtung. Die Kinder merken, dass die Eltern bereit sind, etwas für sie zu tun. Das ändert ihre Haltung gegenüber Schule.“

In diesem Jahr wurden weitere Lehrer in Berlin als Kursleiter ausgebildet. Das ermöglicht 15 weiteren Schulen dieses Projekt anzubieten.

Klaus Hurrelmann, Erzeihungswissenschaftler in Bielefeld und Leiter des wissenschaftlichen Teams, das die neue Shell-Studie erarbeitet, schätzt, dass es etwa 15 Prozent definitiv überforderte Elternhäuser gibt. Um den Eltern die Mischung aus liebevoller Zuwendung und notwendiger Distanz, aus Klarheit und Zuverlässigkeit beizubringen, die für eine gelungene Erziehung unerlässlich ist, fordert auch Hurrelmann Trainingskurse für Väter und Mütter, die verpflichtend an die Anmeldung eines Kindes im Kindergarten oder in der Grundschule geknüpft werden könnten.

Obwohl diese Seminare in Berlin an einer Schule angeboten werden, ließen sie sich sicherlich auch auf Kindertagesstätten übertragen. Das hätte den Vorteil bereits frühzeitig Eltern in der Erziehung helfen zu können. Durch diese Seminare würden Eltern im Erziehungsalltag mit ihren Kindern gestärkt und die Zusammenarbeit an den Einrichtungen verbessert. Dadurch könnte der Blick auf die Kinder erneuert werden und ihre Stärken besser gefördert werden.

Wünschenswert wäre es, auch an Münchner Schulen solch ein Angebot zu machen.
Man könnte die Teilhabe der Eltern am schulischen Leben wesentlich verbessern und die Idee der Öffnung der Schulen konkret mit Leben füllen.
Um aber auch Migrantenkinder adäquat fördern zu können, müssen Schulen, Eltern und Migrantenverbände an einem Strang ziehen.


Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/rosa liste
Sabine Krieger
Stadträtin


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