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02.03. 2006
München unterstützt den Coca-Cola-Boykott
Antrag
1. Die Landeshauptstadt München erklärt öffentlich, dass sie den inzwischen in vielen Ländern getragenen Boykott gegen Coca-Cola unterstützt.
2. Hierzu fordert die Landeshauptstadt München alle Kantinenpächter der Stadt sowie alle städtischen Gesellschaften auf, die Produkte des Coca-Cola-Konzerns aus dem Sortiment der Kantinen bzw. der Einkäufe zu nehmen.
3. Die Landeshauptstadt München tritt an den Hotel- und Gaststättenverband München heran, informiert über diesen Boykott und schlägt dem Hotel- und Gaststättenverband vor, ebenfalls auf Coca-Cola-Produkte zu verzichten.
4. Der Oberbürgermeister tritt an die OberbürgermeisterInnen aller Austragungsstädte der Fußball-WM 2006 heran und schlägt ein gemeinsames Vorgehen beim Boykott gegen Coca-Cola vor.
5. Die Landeshauptstadt München organisiert gemeinsam mit der Gewerkschaft ver.di Deutschland eine Informationsveranstaltung zur Situation der Gewerkschaften bei Coca-Cola Kolumbien (Coke Colombia bzw. Panamerican Beverages Inc.; Panamco Colombia) während der Fußball-WM 2006.
Begründung:
In einem Interview mit dem Vertreter der Gewerkschaft Sinaltrainal, Carlos Olaya, aus dem Jahr 2002 führt dieser aus: „Anfang der 90iger Jahre arbeiteten in den verschiedenen Coca-Cola-Niederlassungen Kolumbiens etwas über 10.000 Arbeiter, sie verfügten über unbefristete Verträge und ein durchschnittliches Einkommen von 600 700 US-Dollar. Heute (2002), nach der grundlegenden Umstrukturierung des Unternehmens, haben nur noch etwa 2.500 Arbeiter Verträge mit Coca-Cola und nur 500 davon sind feste Verträge, weitere 7.500 sind über Subunternehmer beschäftigt. Das durchschnittliche Monatseinkommen beträgt nur noch etwa 150 US-Dollar. Im Zusammenhang mit Arbeitskonflikten wurden bei Coca-Cola Kolumbien 1995/1996 sieben unserer Gewerkschaftsführer ermordet, über 50 mussten ihre Region verlassen, und über 6000 der insgesamt 10.000 Beschäftigten wurden während des vergangenen Jahrzehnts ausgetauscht. Die Zahl unserer Mitglieder bei Coca-Cola sank von ehemals 2.500 auf 500. Doch auch den mit Hilfe des Unternehmens gegründeten neuen Mini-Gewerkschaften ergeht es nicht gut, sobald sie zuviel fordern. Im vergangenen Jahr wurden zwei Vertreter der unternehmertreuen Gewerkschaft Sinaltrainbec von Paramilitärs ermordet.“
Weil sich die Gewerkschaftsvertreter in den Abfüllbetrieben für Coca-Cola in Kolumbien nicht mehr anders zu helfen wussten haben sie im Jahr 2002 einen weltweiten Boykott gestartet, der inzwischen in den USA und einigen europäischen Ländern zu konkreten Boykottbeschlüssen geführt hat. Zuletzt hat der Stadtrat von Turin, als Austragungsort der Winterolympiade einen entsprechenden Beschluss gefasst.
Coca-Cola ist einer der Hauptsponsoren der Fußball-WM 2006 in Deutschland. München als einer der 12 Austragungsorte dieser WM könnte federführend sein bei dem Versuch, die gewerkschaftliche Situation bei den Coca-Cola-Abfüllbetrieben in Kolumbien bekannt zu machen und durch einen entsprechenden Boykott Druck auf Coca-Cola auszuüben.
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen rosa Liste
Initiative: Siegfried Benker
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