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ddd


20.02.2006


Antrag


Einführung eines Münchner Sanierungsstandard


Das Referat für Gesundheit und Umwelt wird aufgefordert:

1. in Kooperation mit Münchner Handwerksbetrieben z.B. über Innungen, Handwerkskammer und Architektenkammer einen Münchner Sanierungsstandard in Anlehnung an den bestehenden Stuttgarter Sanierungsstandard zu entwickeln.

Ziele des Münchner Sanierungsstandard sind:

– Schaffung eines breit anerkannten Qualitätsstandard, der über die gesetzlich vorgeschriebene Energieeinsparverordnung (EnEV) hinausgeht und dennoch wirtschaftlich ist (EnEV +)

– Erhöhung der Vollzugsrate der energetischen Sanierung bei Ohnehin-Renovierungen im Gebäudebestand

– Erhöhung der Sanierungsqualität

– Aufbau und Stärkung eines gewerke-übergreifenden Netzwerks von Handwerksbetrieben

– Erhöhung der Motivation seitens der Handwerksbetriebe, aktiv energetische Sanierungsmaßnahmen vorzunehmen

2. die aus dem Leitprojekt 6 des Münchner Bündnisses für Ökologie „Effektive Wärmenutzung im Altbaubestand“ gewonnenen Erkenntnisse sowie die im Rahmen des Projektes aufgebauten Strukturen in die Entwicklung des Münchner Sanierungsstandard einfließen zu lassen

3. zu prüfen, inwieweit das Bauzentrum der Landeshauptstadt München die Koordinierungsaufgaben, die Öffentlichkeitsarbeit, die Fortbildungsveranstaltungen für Handwerker sowie die Qualitätskontrolle im Rahmen des Münchner Sanierungsstandard übernehmen kann.

4. zusammen mit dem Baureferat ein Demonstrationssanierungsprojekt an einem städtischen Gebäude mit dem Münchner Sanierungsstandard durchzuführen und daran darzustellen, welche zusätzlichen Kosten durch die über die EnEV hinausgehende energetische Verbesserung entstehen, auch unter Berücksichtigung günstiger Kredite durch die KfW (CO2Gebäudesanierungsprogramm).

Das Baureferat wird aufgefordert bei der Sanierung der städtischen Gebäude den Münchner Sanierungsstandard anzuwenden

Begründung:
Im Maßnahmenkatalog zum Klimaschutz spielt die energetische Sanierung des Gebäudebestandes eine herausragende Rolle. Die Studie des Öko-Instituts „Kommunale Strategien zur Reduktion der CO2 – Emissionen um 50% am Beispiel der Stadt München“ belegt, dass das mit Abstand größte Potential im Wärmebereich in der energetischen Sanierung des Gebäudebestandes liegt. Die Studie rechnet hier mit einem Einsparpotential von 818.000 t CO2/a bis zum Jahr 2030.
Nach Einschätzung des Referates für Umwelt und Gesundheit wird das vorhandene Potential aber bei weitem nicht ausgeschöpft. Ursachen dafür sind zum einen fehlende Kenntnisse der Handwerker über die ökonomisch und ökologisch sinnvollsten Maßnahmen und zum anderen mangelnde Qualität von einzelnen Bau- und Planungsleistungen, unzureichende Zusammenarbeit der Gewerke und fehlende Kontrollen der ausgeführten Arbeiten.
Die gleiche Problematik hat in Stuttgart den Trägerverein Energieberatungszentrum Stuttgart dazu veranlasst, im Rahmen einer Mustersanierung des eigenen Gebäudes und eines parallel verlaufenden öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurses mit den Bauschaffenden und Fachplanern einen abgestimmten Sanierungsstandard zu erarbeiten. Ein Leitfaden enthält alle Kriterien des Stuttgarter Sanierungsstandards wie Qualitätsvorgaben, Detaillösungen, Schnittstellenlösungen etc.. Insbesondere werden für den Stuttgarter Sanierungsstandard Wärmedurchgangskoeffizienten für Dach, Fenster und Fassade definiert, die über den Vorgaben der Energieeinsparverordnung EnEV liegen und dennoch wirtschaftlich sind. Alle Betriebe, die am Stuttgarter Sanierungsstandard teilnehmen, müssen sich über Schulungen qualifizieren und ihre Ausführungen kontrollieren lassen, so wird die Qualität gewährleistet.
Die Koordination für das Gesamtvorhaben Stuttgarter Sanierungsstandard liegt beim Energieberatungszentrum Stuttgart (EBZ). Das EBZ betreibt die Öffentlichkeitsarbeit und die Information für potentielle Bauherren, es übernimmt die Erstberatung, die Energiediagnose, die Vermittlung von Handwerkern sowie auch die Kontrolle der Sanierungsarbeiten. Schulungsveranstaltungen zum Stuttgarter Sanierungsstandard werden vom EBZ in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Handwerks-Innungen und Kooperationspartnern aus der Industrie durchgeführt.
Mit der Einführung eines breit anerkannten Qualitätsstandard für Sanierungsmaßnahmen im Wohnungsbestand könnte in München – so hat es Stuttgart gezeigt - sowohl die Vollzugsrate sowie der Sanierungsstandard energetischer Sanierungen erhöht als auch die Sanierungsqualität verbessert werden.
Bei der Einführung und Entwicklung eines Münchner Sanierungsstandard müsste München nicht bei Null beginnen, sondern könnte auf die Ergebnisse des Projektes „Effektive Wärmenutzung im Altbaubestand! - BauTuning“ des Münchner Bündnisses für Ökologie aufbauen. Mit dem Bauzentrum hat auch die Stadt München bereits ein kompetentes Beratungszentrum, das einen Teil der Leistungen des Münchner Sanierungsstandards – vergleichbar mit dem EBZ in Stuttgart – wie Beratungen, Schulungsveranstaltungen etc. übernehmen könnte.
Die Verwaltung könnte im Rahmen eines Demonstrationssanierungsprojektes eines städtischen Gebäudes überprüfen, welche energetischen Standards auch über die EnEV hinaus, bei Berücksichtigung günstiger Kredite durch die KfW sowie Fördermittel möglich sind.
Die Einführung eines Münchner Sanierungsstandard und die damit zu erwartenden qualitativ verbesserten Sanierungen würden laut Studie des Öko-Instituts eine Treibhausgasreduktion von ca. 41.000 t CO2 pro Jahr bringen. Zusätzliche erhebliche Einsparungen sind bei einer energetischen Sanierung über die Vorgaben der EnEV hinaus zu erwarten.
Die Stadt München sollte bei der Einführung eines Münchner Sanierungsstandard mit gutem Beispiel vorangehen und ihre eigenen Liegenschaften nach dem Münchner Standard sanieren!

Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen / Rosa Liste
Initiative von:
Sabine Krieger

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