28.11.05
Fachgespräch über Sterbebegleitung
Antrag
Das Referat für Gesundheit und Umwelt führt in Zusammenarbeit mit dem Sozialreferat ein Fachgespräch zum Thema Sterbebegleitung, Umgang mit Sterbenden und Schwerstkranken im Krankenhaus und Alten- und Pflegeheim, Palliativtherapie im Krankenhaus und Alten- und Pflegeheim durch.
Dabei werden insbesondere folgende Punkte thematisiert:
1. Übersicht über den Anteil von Menschen, die in den Münchner Kliniken und/oder in den Münchner Alten- und Pflegeheimen sterben.
2. Fachliche Beiträge zum Umgang mit Schwerstkranken und Sterbenden in Hospizen und Palliativeinrichtungen.
3. Tabuisierung von Sterben und Tod: Wie kann der Anspruch, Leben zu retten mit dem humanen Umgang mit Schwerstkranken und Sterbenden vereinbart werden?
4. Wie kann Sterbebegleitung sowohl als Querschnittsaufgabe in Alten- und Pflegeheimen und Kliniken als auch als gesondert organisierte Fachabteilung organisiert werden?
5. Welche Herausforderungen entstehen für MedizinerInnen und Pflegepersonal in den Einrichtungen und wie können diese Herausforderungen in den Pflegealltag integriert werden?
6. Welche Möglichkeiten der Finanzierung gibt es für die Behandlung und Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden in den Kliniken und Alten- und Pflegeheimen?
7. Darstellung von Modellprojekten in Münchner Einrichtungen (Münchenstift).
8. Integration der Situation und des kulturellen/religiösen Hintergrundes von Migrantinnen und Migranten in das Thema.
Begründung:
In den Münchner Kliniken und den Alten- und Pflegeheimen sterben täglich Menschen, in den Kliniken sind sie oft bis zum Lebensende an medizinischen und therapeutischen Maßnahmen angebunden, die ihnen das Sterben leidvoll erschweren. Palliative Maßnahmen wie Schmerztherapien stehen dem medizinischen technischen Leistungsanspruch oft entgegen. Das Sterben von Menschen wird oft als Versagen der medizinischen Möglichkeiten gesehen und verdrängt.
Die Palliativmedizin und die Hospizbewegung geht hier seit Jahren bereits gute Wege. So werden beispielsweise schwerstkranke Menschen schmerztherapeutisch so versorgt, dass sie ihren letzten Lebensabschnitt "leben" können ohne in ständigen Schmerzuständen zu sein. Sie haben dadurch die Möglichkeit für sie wichtige Dinge noch zu erleben oder zu regeln.
Darüber hinaus werden sterbende Menschen in ambulanten oder stationären Hospizeinrichtungen betreut. Ziel der Betreuung und Behandlung im Hospiz ist, die notwendigen medizinischen Maßnahmen durchzuführen, dem Schwerstkranken und Sterbenden aber vor allem pflegerische, sozialtherapeutische und auch psychologische Hilfestellung anzubieten. Ziel ist es den letzten Lebensabschnitt der Menschen so zu gestalten, dass sie diesen als lebenswert empfinden und Abschied nehmen können.
Die Arbeit in Palliativeinrichtungen und im Hospiz bedeutet für ÄrztInnen und Pflegepersonal eine große Herausforderung, die in Ausbildung und Fortbildung entsprechend angeboten werden muss.
Nicht alle Menschen, die schwerstkrank und sterbend sind haben die Möglichkeit in ambulanten oder stationären Hospizeinrichtungen oder in Palliativeinrichtungen betreut zu werden.
Die meisten Menschen sterben in den Kliniken und den Alten- und Pflegeheimen, wo die Alltagsarbeit oft kein Platz für das Thema Sterben und Tod übrig lässt und aufgrund der ständigen Überlastung des Pflegepersonals wenig Möglichkeiten gesehen werden, Schwerstkranken und Sterbende individuell und adäquat zu betreuen. Im Rahmen des Fachgespräches soll die Notwendigkeit der Sterbebegleitung diskutiert und deutlich gemacht werden, welche Möglichkeiten bestehen, das Thema Sterben und Tod als einen wichtigen Bestandteil des Arbeitsalltages in Kliniken und Alten- und Pflegeheimen zu integrieren.
Lydia Dietrich
Siegfried Benker
|