Neuer Schulreferent steht für Reformen
Mit 49 von 80 Stimmen wurde Rainer Schweppe (55) zum neuen Schulreferenten gewählt. Momentan leitet er die Schulabteilung der westfälischen Stadt Herford, vorher arbeitete er u.a. als Behindertenbeauftragter, für MigrantInnen und Flüchtlinge zuständiger Abteilungsleiter im Sozialamt und Geschäftsführer des Ausländerbeirats.
Mit ihm setzte sich der von der grünrosa Stadtratsfraktion favorisierte Bewerber durch. Dem gingen harte und zähe Verhandlungen mit der SPD voraus. In der Bündnisvereinbarung hatten wir uns ja darauf verständigt, für dies Amt einen gemeinsamen Vorschlag zu machen, nachdem dieser Posten jahrzehntelang allein nach dem Willen der SPD besetzt wurde. Das Ergebnis der Verhandlungen kommentierte der Münchner Merkur (in natürlich übertriebener Wortwahl): „Schulchef: Grüne stechen die SPD aus“.
Warum wollten wir Rainer Schweppe? Er hat praktische Erfahrungen darin, Schulen radikal zu reformieren. Und seine Vorstellungen entsprechen jenen reformpädagogischen Visionen, die auch wir für zukunftsweisend halten.
In seiner Heimatstadt werden flächendeckend Ganztagsschulen eingeführt. Aber das ist für ihn keine rein organisatorische Frage. Es geht um eine andere Pädagogik, eine andere Schule. Schulen als Lebens- und Lernorte, Stadtteilschulen, die sich dem Viertel als lebendige Zentren öffnen, selbständige Schulen mit Beteiligung der Schülerinnen und Schüler und des ganzen Lehrerkollegiums, dezentrale Organisation der Schulen mit Lehrer- und Schülerteams, gebaute Pädagogik mit offenen, transparenten, multifunktionalen Räumen das alles gehört zu seinem Herforder Modell, das bundesweit Vorbildcharakter hat. Und dieses Modell wurde nicht am grünen Tisch allein von Verwaltungsfachleuten, sondern in einem Beteiligungsverfahren mit externen ExpertInnen, SchülerInnen, LehrerInnen etc. entworfen nach dem Vorbild skandinavischer Modellschulen.
Seine Ideen entsprechen dem grünen Leitbild einer offenen, selbstgesteuerten Schule, einer Pädagogik, die nicht auf starre Einheitlichkeit und auf die Fiktion von Homogenität, sondern auf Individualisierung, Vielfalt und kleine Einheiten setzt. Leitend für ihn sind Schülersprüche wie: „Traut uns mehr zu, dann leisten wir mehr“, „Wenn wir etwas mitgestalten, machen wir es nicht so schnell kaputt“.
Wir freuen uns auf eine konstruktive und spannende Zusammenarbeit mit dem neuen Referenten, der dem Herforder Schulmodell folgendes Zitat aus der reformpädagogischen Münsteraner Erklärung voranstellte:
„Wir brauchen Schulen als einladende Orte zur Bewährung und Erprobung, als Raum zur Entdeckung von Möglichkeiten und Potenzialen, als Orte, an denen man Fehler machen darf. Wenn Schüler Sachen um ihrer selbst willen tun und sie deshalb gut machen, sind diese Orte Zukunftswerkstätten geworden.“
Florian Roth
|