Home | Stadträte | Presse | Anträge | Partei | Links | Kontakt


Rede zum Fest

„20 Jahre Rot-Grün“

Mittwoch, 17. März 2010 – 20.00 Uhr

Alter Rathaussaal

Siegfried Benker,
Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen – rosa Liste


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde

Das Stück, das seit zwanzig Jahre auf der Rathausbühne gespielt wird hat den reißerischen Titel: Der soziale und ökologische Umbau der Millionenstadt München unter besonderer Berücksichtigung der Eigenheiten ihrer Bevölkerung.

Das Stück in Stichworten:

Frühjahr 1990: Vor 20 Jahren - in einem anderen Jahrhundert: SPD stark, Grüne stark, CSU nunja. Kronawitter: Nieder mit Zöller, her mit rot-grün. Bündnisvertrag. Csampai wird erste weibliche Bürgermeisterin. Patriarchat: Wackelt. Weg mit den geplanten Ringtunneln. Kronawitter: Kreisverwaltungsreferent Uhl soll bleiben. Terror im Bündnis. Einigung. Uhl bleibt. Flüchtlingspolitik dafür völlig verändert. Rot-Grün: hält. Kronawitter geht - und lässt uns mit Uhl alleine. Wir beantragen Erbsünde neu zu definieren, scheitern aber am späteren Papst. Ude wird OB. Grüne: Messeverlagerung soll nicht kommen. Terror im Bündnis. Einigung. Messeverlagerung kommt doch. Rot-Grün: hält. Dafür: Ökologie gut. CSU: Das Ende der Stadt ist nahe: Die Firmen werden vertrieben, die Autofahrer der gefürchteten MVV-Folter unterworfen. Doch: München boomt. OB Ude kennen 87 % der MünchnerInnen.

Bald: Verstärkung durch rosa liste. Monatzeder: Bürgermeister. Ringtunnel: Doch nicht erledigt. Störende Bürger begehren störende Tunnels. So war das mit der direkten Demokratie nicht gemeint. Uhl: Immer noch da. Terror im Bündnis. Rot-Grün: hält. Weiter geht’s. Fahrradverkehr soll mehr werden. Grüne fordern: Je mehr Tunnels für den Ring desto mehr Radwege. CSU: Das Ende der Stadt ist nahe: Die Firmen werden doch endlich gehen, die Autofahrer werden nach der MVV-Folter der Fahrradfolter unterworfen. Ausstellung zu Verbrechen der Wehrmacht. CSU im dunkelsten Kellern der Reaktion. Fraktionsvorsitzender Bletschacher verschwindet in der Stadelheimer Käseschachtel. Skandalstrudel der CSU. Aber am besten: Uhl muss gehen. Dank an die begrenzte Wahlzeit. München muss sparen, boomt aber weiter. Ude kennen 95% der MünchnerInnen.

2002: Demonstrationen gegen die Sicherheitskonferenz werden verboten. Totalverbot in der City. Ude: Alles verbieten. Grüne: Nichts verbieten. Polizei: Alles verbieten. Tausende auf der Straße. Hunderte Verhaftungen. Ude danach: Ich habe recht gehabt. Polizei, wir haben recht gehabt. Grüne: Wir haben recht gehabt. Streit im Bündnis. Rot-grün: hält. Ansonsten: München ist zwar pleite, boomt aber weiter. Ude kennen 97% der MünchnerInnen.

Grün wird unaufhaltbar größer – dennoch: Ringtunnel werden gebaut. Fahrradwege aber auch. Rot-grün: hält. München muss sparen, harte Debatten: Rot-grün: hält. Kampf dem Bündnistod durch Langeweile. Rot-grün: hält. Lieber Langeweile als falsche Aufregung. CSU: Bald ist die letzte Firma weg, der letzte Autofahrer vertrieben, dann werdet ihr sehen, dass Bäume keine Gewerbesteuer zahlen. München ist immer noch pleite, boomt aber weiter. Ude kennen inzwischen 99,99 % der MünchnerInnen.

2008: Nach Ping-Pong, Ying-Yang und King-Kong wird auch Rot-grün vom Duden in die Liste der untrennbaren Wörter aufgenommen. Währenddessen: Die CSU merkt, dass die Firmen geblieben sind und auch Autofahrer rot-grün wählen. Deshalb Strategieänderung: Jetzt Kampf um jeden Parkplatz. CSU kettet sich an Vorfahrtsstraßenschilder um sie zu erhalten. SPD würde auch gerne, darf aber nicht. Rot-grün: hält. Olympia 2018 soll in Bio-Qualität kommen - die Biolandzertifizierung ist uns so gut wie sicher – wenn es uns noch gelingt durchzusetzen, dass die Skier der Abfahrtsläufer aus gepresstem Altpapier hergestellt werden. Grüne Basis prügelt grüne Fraktion. Grün hält. Rot-grün: auch. München ist sowas von pleite, boomt aber weiter. Ude lauert dem letzten Münchner auf, der ihn nicht kannte. Rot-grün wird 20. Rot-grün hält: Hof.

Diese Lebenserfahrung führt zu Ratschlägen: Wie wird eine politische Beziehung über 20 Jahre gerettet?

1. Werfen Sie mit dem teuren politischen Porzellan nur wenn es dem Partner gehört.

2. Nicht Sie sind unbeweglich, sondern der Partner. Wenn er ihnen nicht glaubt, dass sie sich bewegen, treten sie auf der Stelle bis er es entnervt anerkennt.

3. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, Bündnisvertrag ist am besten.

4. Zu viele alte Beziehungskisten belasten die Beziehung. Kronawitter ist zwar der Vater des Bündnisses, aber ein Kronawitter der auf der Bettkante das Spiel Hochhauszerstören spielt, kann den schönsten Abend kaputtmachen.

5. Lieber ein Bürgerbegehren verlieren als die Wahl.

6. Arbeiten Sie nie alles Unerledigte auf. Lassen Sie immer etwas liegen. Wenn Sie alles erledigen, denken alle: Ja wozu brauchts die denn noch? Unerledigtes ist immer das Versprechen auf baldige Aktivität.

7.Versuchen Sie ihren Partner zu verstehen, aber werden Sie nicht wie er.


Wie sieht eine Kurz-Bilanz nach 20 Jahren rot-grün aus?

München ist reich, berühmt und glücklich. Noch immer fließt das Oktoberfestbier. Ude wird das erste Fass demnächst per Augenaufschlag anzapfen, die Bavaria steht noch, nur die CSU wankt. Die letzten zwanzig Jahre haben die Stadt verändert. Zwanzig Jahre Erfolg eines Bündnisses sind in Wirklichkeit der Erfolg einer Stadt. Die Olympischen Spiele 1972 haben München in die Moderne katapultiert. Aber dass der bautechnischen Moderne die gesellschaftliche Moderne gefolgt ist, dass lag und liegt an Rot-grün und: -rosa.

20 Jahre Rot-grün sind zwanzig Jahre Stabilität für München. Die MünchnerInnen mögen nämlich eigentlich keine Veränderungen. Vor allem keine die sie bemerken würden. Revolution z. B. ist schon in Ordnung aber nicht während der Wiesnzeit, nicht im Sommer wenn sie gerade in Italien sind, nicht während der Dult und schon gar nicht im Fasching. Der Münchner als solches hat überhaupt keine Zeit für Veränderungen. Rot-grün respektiert das. Über Veränderungen wie die Umweltzone, die Parklizensierung oder Fahrradrouten streiten wir öffentlich so lange, bis alle Bürger denken es ist schon längst eingeführt. Die Schilder selbst stellen wir dann während der Wiesnzeit auf.

Ab und zu wird uns der Fön und das schlechte Wetter vorgehalten oder die Landespolitik. Wir können aber nichts dafür, dass die Bayerische Staatsregierung in der Stadt ist. Das Asylrecht gilt für alle.

Den S-Bahn-Tunnel haben wir solange nicht entschieden, nicht weil wir uns nicht einigen konnten, sondern damit die ganze Stadt beschäftigt ist. Eine kostengünstigere Möglichkeit den Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft zu erreichen gibt es sicher nicht. Schön wird hier sicher auch die Debatte um die Philharmonie im Gasteig. Könnte der Klang dort nicht noch verbessert werden? Ach - Auch diese Frage bringen wir gewiss gut ins neue Jahrzehnt hinüber.

Die Stärke von rot-grün ist es für alles zu stehen: Für Autos und Radverkehr, für Sparen und Ausgeben, für Kultur und Blödsinn, für konservative Anfälle und linke Politik – wie die Münchner halt auch. Die MünchnerInnen erkennen sich in unserer Bandbreite wieder. So können wir deutlich machen, dass es völlig sinnlos wäre irgendjemand anderes als uns zu wählen. Wir decken sowieso alles ab. Den OB beispielsweise haben wir zum universellen Gesamtmünchner ausgebildet. Nichts ist ihm fremd. Noch nicht mal die Grünen.

Bei der nächsten Wahl 2014 haben wir diese Stadt dann 24 Jahre regiert – das ist dann länger als Ludwig der II regiert hat. Liebe Münchner ertränkt uns deswegen bitte nicht im Starnberger See – sowas macht bekanntlich unsterblich. Wählt uns lieber weiter – wir sind eh wie Ihr.


Pressearchiv

Antragsarchiv

Ausschüsse

Die Grünen - rosa liste auf Facebook